WoRüBli

Kinder unterschiedlichen Alters im Bällebad
Kinder unterschiedlichen Alters im Bällebad

Ein Wochenrückblick. Sowas mache ich sonst ja eher nicht, weil das hier ja ein kein Internet-Tagebuch ist. Und wer sich an diese Bezeichnung für Weblogs noch erinnert, darf sich gleich für ein Seniorenmenü anstellen.

OK, dann also ein Wochenrückblick

Marlon auf einem Mini-PC
Diensthabender Kater

Trotzdem ist dies ein Wochenrückblick. Weil die re:publica-Berichterstattung hier einerseits zugunsten meines Arbeitgebers gar nicht erst recht in Fahrt gekommen ist und andererseits an dieser Stelle formal nicht abgeschlossen wurde. Weil viereinhalb Stunden ICE mit einer unerzogenen Nebensitzerin (ausgefahrene Ellbogen, Kopfablage beim ICE-Schlaf auf meiner Schulter, muffiges Gesicht, wenn ich mal aufstehen wollte) plus anderthalb Stunden Nahverkehr wg. Bauarbeiten zwischen Köln und Bonn, weil der diensthabende Kater eine mittelgroße Willkommensshow abgezogen hat, und weil mich eine re:publica bei aller Freude und Begeisterung doch ein wenig fertig macht. Man ist nicht mehr der Jüngste.

Mit Jens Scholz habe ich am letzten Tag eine ganze Veranstaltung lang (in die wir nicht hineingekommen waren) gequatscht, über alles Mögliche, über die, die nicht mehr zur re:publica kommen… Und wir waren uns einig: es war eine gute re:publica, aber irgendwie war die r:pTEN (oder r:pNET) doch spannender. Egal. Es waren gut verbrachte drei Tage, und das nachträgliche Angucken der nicht besuchten Sessions wird mich in den nächsten Tagen immer wieder nach Berlin zurückbeamen.

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Ich habe gelesen

Bis vor kurzem glaubte ich, an dieser Stelle zu allem selbst eine Meinung entwickeln, schreiben und haben zu müssen – speziell zu unserer politischen Lieblingsdaseinsform, der Demokratie. Was Quatsch ist, denn andere haben auch was zu sagen – auch wenn es durchaus nicht immer erfreulich ist.

Ich habe gelesen, heute und sicher nicht zum letzten Mal als Trump-Ausgabe, und heute und sicher nicht zum letzten Mal mit englischem Lesestoff:

  • Trial Balloon for a Coup? Analyzing the news of the past 24 hours von Yonatan Zunger, medium.com. Steile Thesen sind nun mit ein Grund dafür, dass sich der Nachrichten-Überdruss verbreitet, wie gerade erst zitiert. Und Hitler- und Staatsstreichvergleiche sind mir eigentlich viel zu billig, auch im Zusammenhang mit einem so unberechenbaren Präsidenten wie Trump. Aber bei der Lektüre dieses Textes wurde mir – buchstäblich – schlecht.
  • America’s Founding Fathers Warned Us About Men Like Donald Trump von Jim Sleeper, Alternet. Die Gründerväter sind in politischen Diskussionen in den USA so etwas wie der Ferrari Testarossa im Sportwagen-Quartett: sie schlagen alles, und wer sie zieht, hat schon gewonnen. Und warum soll man nicht auch mal Benjamin Franklin als Kronzeugen für die Demo- und gegen die Kleptokratie heranziehen?
  • Auch anderswo schon gelesen (aber nicht gemerkt), und nicht ganz unproblematisch, weil Ferndiagnose: Das Porträt des Präsidenten als Outsider. The Outer Borough President von McCay Coppins, The Atlantic. Eine Analyse der Unsicherheiten des Donald Trump und ihrer Wurzeln in Queens, das eben nicht Manhattan ist.
  • Vorgestern erst war Data Privacy Day (in Europa Data Protection Day), und schon macht sich Trump daran, beiden, privacy wie protection, für us foreigners ein Ende zu setzen – natürlich unter dem schicken Titel Executive Order: Enhancing Public Safety in the Interior of the United States. Zeit, sich für dieses und jenes außeramerikanische Anbieter zu suchen – auch das wird immer wieder ein Thema auf diesen Seiten sein. So gesehen, gibt es sogar eine gewisse Kontinuität zu den Seiten, die gerade erst von dieser Seite verschwunden sind.

Re-Boot

Boot-Vorgang - ein Boot auf dem Großen Segeberger See
Re-Boot-Vorgang (Symbolbild)

Es ist gerade mal fünf Tage her, da schrieb der Freund und Kollege Don Dahlmann sich auf Facebook seinen Frust vom Leibe. Unfassbar (für einen Journalisten jedenfalls), was er da schrieb:

Ich habe vor circa vier Wochen aufgehört Nachrichten zu schauen oder zu lesen. Und wenn ich sage „aufgehört“ dann meine ich das auch so. Kein Sponline, keine Tagessschau oder sonst was. Nichts, nada, niente. […] Meine Zurückhaltung in Sachen Nachrichten hatte zum einen etwas damit zu tun, dass in meinem Leben schon genug schlechtes los war, da habe ich auswärtige Nachrichten zusätzlich nicht benötigt. Zum anderen lag es aber auch daran: Ich kann das alles nicht mehr ertragen. Und vor allem: ich kann das alles nicht mehr lesen.

Denn die Online Newsportale schreiben nicht mehr, sie schreien nur noch.  […]

Es ist ein Wettstreit um die Aufmerksamkeit des Lesers entstanden und denn offenbar wird nur geklickt, was möglichst nach viel Aufregung klingt. Also schreibt man alles möglichst so, dass es nach maximaler Aufregung klingt. Ein Fest der Superlative, der permanenten Emotion und Schnappatmung.

Vor vier Wochen habe ich festgestellt, dass ich das alles nicht mehr will. […]

Ich mag das neue Gefühl in meinem Leben, dass mich nichts anbrüllt, mir Angst oder ein schlechtes Gewissen macht. Ich mag das Gefühl der Ruhe.

""Ich

Warum ich das so ausführlich zitiere? Weil es mir, ich gebe es zu, ähnlich ging in den letzten Wochen und Monaten. Zwar habe ich weiter Nachrichten gelesen (alles andere wäre für einen Redakteur einer Nachrichtenredaktion nicht machbar). Doch die Lust, sich mit dem Gelesenen auseinanderzusetzen, ging gegen Null – aus den gleichen Gründen, aber auch, weil mich das Gelesene noch mehr deprimierte, als es das Leben mit mir ohnehin tut.

Die Folge: Ich hatte beschlossen, mein Blog K [journ.] dichtzumachen. Die Daten sind gesichert, der Hostingvertrag gekündigt, ohne große Abschiedworte wollte ich mich von der Bühne schleichen. In meinem neuen Job (selber Arbeitgeber, neue Funktion, neuer Ort) würde ich schon genug ins Netz schreiben. Und tschüss.
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