Ein Abend in Mannheim

Mauergedenken am 9. November 2014 in Berlin

Es war im November vor 30 Jahren. Einige Monate vorher war ich offiziell Stellvertreter meines Chefs geworden. Und weil besagter Chef eine Dienstreise nach Mannheim absagen musste – es läge da was in der Luft, und deshalb müsste ich an seiner Stelle fahren -, verbrachte ich, seit dreieinhalb Jahren (West-) Berliner, den 8. und 9. … Weiterlesen

Ohne mich. Diesmal…

Over Capacity! (re:publica 2018)

Es ist kalt in dem Teil der Bundesstadt (Bonn), in dem ich wohne. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer und bin froh, dass die Heizung heizt. Und ich lese die ersten Nachrichten von der re;publica 2019, der ersten (und vermutlich letzten) re:publica, in der der Doppelpunkt durch das Semikolon ersetzt wurde. „tl;dr“ – das Thema. Im … Weiterlesen

Aus gegebenem Anlass

Aus gegebenem Anlass, und bis mein Kopf wieder klar genug ist, dazu etwas frisches zu schreiben, ein Link auf einen Text, den ich in diesem Sommer geschrieben habe – und zu dem ich auch in diesem Winter stehe: „…dann haben die Terroristen gewonnen„

Morning Train

08:08 Morning Train
08:08 Morning Train

Lichterfelde-West. Der Zug um 08:08 Uhr hat gegenüber denen um 07:58 und 08:18 den Vorteil, dass er ein Vollzug (Betonung auf der ersten Silbe!) ist und deshalb zwei Wagen mehr hat als seine Brüder vorher und nachher. Die Folge: Die irreführend als „Fahrgäste“ bezeichneten Menschen verteilen sich besser im Zug, und es gibt, zumindest in Lichterfelde-West, (meist) noch Sitzplätze. Überhaupt scheint die S1 hier draußen sowas wie eine Streber-S-Bahn zu sein: Hier wird der Mensch um diese Zeit nicht mit Dönerdünsten zugedünstet, und er muss auch nicht um ausgefallene Züge trauern; hier arbeitet der Mensch sich schon mal in die Akten des Tages ein, guckt im Smartphone durch die Mail oder liest Zeitung, wobei hier offenbar nur der (West-Berliner) Tagesspießer Tagesspiegel zugelassen ist. Wer nicht liest und arbeitet, unterhält sich gerne über Neuigkeiten aus der Fraktion.

Betonmischer Garten (ja, die unschuldigen Zeiten, als ich die Tochter noch mit solchem Blödsinn am Botanischen Garten erheitern konnte…!). Hier steigt gerne der dünne traurige Bassbariton mit Gitarre, Pferdeschwanz und Bart ein und stimmt mit trauriger Bassbariton-Stimme ein trauriges Lied an, das immer irgendwie russisch klingt, auch wenn ich auch schon mal „Wiskey in the Jar“ erkannt zu haben glaubte, in der sad edition, versteht sich.

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„…ist das sofort, unverzüglich.“

Ein Teil der Lichtgrenze
Ein Teil der Lichtgrenze

Der Mauerfall fand ohne mich statt. Und das kam so:

Ich arbeitete damals für den RIAS, den Rundfunk im Amerikanischen Sektor von Berlin. Im Herbst 1989, nein, eigentlich schon seit dem Sommer waren wir, meine Kollegen und ich, im Dauereinsatz, was die Entwicklung zwischen Ost und West anging. Im Sommer hatte ich in Budapest DDR-Bürger getroffen, die gerüchteweise etwas von der Öffnung der ungarischen Grenze nach Westen gehört haben wollten – wenig später war es soweit. Und im Oktober machten sich fast täglich Kollegen, die noch einen Wohnsitz in Westdeutschland, also der alten Bundesrepublik, und deshalb auch noch einen westdeutschen (statt West-Berliner) Personalausweis hatten, auf den inoffiziellen Weg nach Ost-Berlin – offiziell hatten wir Mitarbeiter des amerikanischen Hetzsenders rund um den Republikgeburtstag keine Chancen auf die Einreise.

Daneben gab es aber auch noch das Tagesgeschäft, und dazu gehörten Dienstreisen, die nichts mit der aktuellen Entwicklung zu tun hatten. Auf einer solchen Dienstreise befand ich mich am 9. November 1989. Ich hatte in Ludwigshafen erledigt, was zu erledigen war, und mich dann mit meiner Schwester, die damals in Mannheim wohnte, zum Abendessen getroffen. Danach brachte ich meine Schwester zum Nachtzug nach Wien und kam ungefähr eine halbe Stunde vor Mitternacht zurück ins Quartier, rechtschaffen müde, wie das so bekloppt heißt.

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Demokratie bei der Arbeit

Der folgende Text richtet sich vor allem an Mitlesende mit Wohnsitz in Berlin – weil die und alle Berliner, die (was für ein Fehler!) hier nicht mitlesen, am 3. November aufgerufen sind, sich am Volksentscheid über die Rekommunalisierung des Berliner Stromnetzes zu beteiligen. Hier sehen wir, wie ich meine Stimme für den Rückkauf des Berliner … Weiterlesen

Scheiss Technik

Dinge, die ich heute als einer von (nach Veranstalterangaben) 20.000 Teilnehmern der „Freiheit statt Angst 2013“ gelernt habe: Mit 55 und auch einige Jahre nach einer erfolgreichen Meniskus-Operation ist gemeinschaftliches Rumstehen und Durch-die-Straßen-Schlurfen nicht mehr so einfach wie mit 25. Ach. Note to self: Mehr spazierengehen. Wer sich mit 20.000 gleichgesinnten Handynutzern die selben zwei … Weiterlesen

Für den Terminkalender

Es wird Zeit, die müden Knochen zusammenzuklauben und sich auf die Straße zu begeben. Am 7. September zur „Freiheit statt Angst“-Demo 2013. Nie war sie so wertvoll wie heute. Wie Johnny Häusler zu Recht sagt: Bringt die Kinder mit. Damit sie uns nicht später peinliche Fragen stellen. 7. September, 13 Uhr, Potsdamer Platz. Wir sehen … Weiterlesen

Berlinfilme, zwei

Berlin (Symbolbild)
Berlin (Symbolbild)

Es ist Samstagabend, kurz vor Mitternacht, das erste Bier des Abends steht geöffnet neben mir, und ich bin bereit für ein Geständnis: Ich liebe Berlin.

Klar, nicht so, wie man eine Frau oder einen Mann liebt, aber „Ich habe Berlin lieb“ klingt noch bekloppter. Also bleibt es bei der ursprünglichen Formulierung. Und weil es so ist, und weil ich heute abend niemandem damit auf die Nerven hätte fallen können, habe ich mir ein häusliches double feature geleistet: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt von Walter Ruttmann (1927), und gleich im Anschluss Berlin: Sinfonie einer Großstadt von Thomas Schadt (2002). Beide Filme beschreiben ohne Worte einen Tag im Leben der Stadt, begleitet von symphonischer (ja, mit „y“, „m“ und „ph“ statt i, n und f – ist schließlich mein Blog, das hier!) Filmmusik. Den Ruttmann-Film habe ich zum fünften, sechsten, siebten Mal gesehen, den von Thomas Schadt zum ersten.

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Wg. TXL

Durch die Verlängerung der Restlaufzeiten für die beiden alten Berliner Flughäfen (BER wird jetzt erst im nächsten März eröffnet) ist die folgende Eloge ein klein wenig obsolet geworden. Ich lasse sie hier aber stehen und kann sie zum 17. März 2013 ja nochmal hervorholen.

Aus der Abteilung: „Formulierungen, die einen neidisch machen“ (doch, schon ein wenig):

In sieben Stunden werde ich zum vorletzten Mal in meinem Vielfliegerleben den Flughafen Berlin-Tegel erreichen, Rollkoffer am langen Arm, Laptoprucksack über der Schulter, Träne im Knopfloch. Ende Mai, so sagt mir mein Kalender, werde ich noch einmal von Tegel aus fliegen, und dann werde ich, Ex-Schönefelder (1994-1996 und 2004 noch einmal), mich für jede Dienstreise zunächst auf die halbe Stadtrundfahrt mit der S9 einlassen.

Nicht der einzige Grund, weshalb mir TXL (woher das X kommt, weiß ich nicht; TGL wäre als Airport-Code durchaus frei gewesen) fehlen wird. Einfach zu oft dort gewesen, zuviel gesehen, mich sehr an diesen kleinen Airport gewöhnt.

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