Spionage, altmodisch

Habe ich schon gesagt, dass es viel zu heiss ist? So heiss, dass der Griff zur Wasserflasche die einzige gerechtfertigte körperliche Betätigung ist? Nein, habe ich noch nicht? OK: Es hat eine Bullenhitze da draußen. Überrascht?

Deswegen, und weil bei der Hitze auch keine klaren Gedanken zu fassen sind, habe ich einen Großteil meiner Freizeit in den letzten Tagen mit Lesen verbracht. Und weil ich ein bekennender Fan der verwirrenden und manchmal schwer zu verstehenden Bücher von John le Carré bin – und weil Amazon das auch weiss, bin ich gerade dabei, Len Deighton zu entdecken. Viel zu spät.

Deightons Welt – zumindest in der Serie um den Agenten Bernard Samson, deren erstes Buch ich rotzfrech hier per Amazon-Link anpreise – ist wie die John le Carrés die Welt des britischen Geheimdienstes, nicht in der Machart des Haudrauf Bond, sondern in der des intellektuellen Zweiflers George Smiley – wobei Samson, anders als Smiley, kein Schreibtischtyp ist, sondern schon mal, wenn auch zweifelnd, zuhaut oder schießt.

Samson ist, obwohl Brite und Sohn eines britischen Geheimdienstlers, im West-Berlin der Nachkriegszeit aufgewachsen und erlebt einen Großteil seiner Aufträge dort – auf beiden Seiten der Mauer, wie sich das für einen echten Agenten gehört. Seine Frau, ebenfalls in geheimen Diensten, haut ab und läuft über zum KGB, was den Mann in Zweifel und berufliche Probleme stürzt und zusätzlich vor die Herausforderung stellt, für die beiden Kinder zu sorgen, die die Überläuferin bei ihm gelassen hat.

Insgesamt neun Bücher hat Len Deighton über Bernard Samson geschrieben – ich bin gerade halbwegs durch Nummer sechs. Und ich lese die Bücher aus zwei Gründen gerne: Weil ich auch John le Carré mag (s.o.), und weil Geheimagenten in der Welt der sechziger, siebziger und achtziger Jahre zwar auch Briefe öffneten und Telefonleitungen anzapften, den überwiegenden Teil ihrer Arbeit aber noch zu Fuß erledigten. Wie sich das gehört.

2 Gedanken zu „Spionage, altmodisch“

  1. Excellent choices, both Le Carré and Deighton. As a lifelong spy fiction aficionado I have all the books from both in my bookcase.
    BTW, two of my best decisions made in the recent past have been not participating in social media and buying an e-reader. The first gives me a bit more of that most precious commodity, time, and the second gives me access to all the books my local bookstores have never offered.

    • It’s somewhat strange I discovered Deighton so late (in life). After all, I’m pretty familiar with most of the other well-known British espionage writers, having read all novels by Eric Ambler before I turned 25.

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