Social Porn Weblog

Nebenan steht seit etwa einem Monat ein Bauzaun. Dahinter hämmert, flext und poltert es gelegentlich; dazwischen herrscht wieder Stille. Nachdenkliche Stille, Tage, in denen ich nochmal heftig nachdenke, was dort, hinter diesem Bauzaun, eigentlich entstehen soll. Ausgangspunkt war ein Weblogeintrag von Weihnachten 2006, in dem es heißt:

Wer nach Alternativen zum Weblog oder anderen Formen des grassroot journalism sucht, kann kein Weblog nebenher betreiben. Es kostet zuviel Zeit, verführt dazu, in den bewährten und inzwischen etwas ausgelatschten Bahnen zu denken und zu schreiben, stellt keine Herausforderung mehr dar und ist somit nichts als eine Sache der Bequemlichkeit.

Deswegen ist jetzt Schluss… Die Suche nach neuen Formen beginnt erst, und sie wird auch unter der Domain bluelectric.de stattfinden… Bluelectric II wird kein fertiges Produkt sein, es wird ein Experiment sein, es wird hoffentlich ein interessanter Ort zum Vorbeigucken sein, aber eins wird es nicht sein: ein Weblog.

Kurz darauf folgte dann ein Text voller guter Ideen, der im Sommer 2007 auch an dieser Stelle zu finden war. Und seitdem?

Nickes. Nada. Zilch.

Inzwischen werden diejenigen immer lauter, die dem Weblog an sich noch höchstens 10 Jahre Lebenszeit geben (gar nicht so schlecht – an dieser Stelle findet der Kram ja erst seit siebeneinhalb Jahren statt!); inzwischen beschäftigen sich selbst die alten Zauselâ„¢ unter uns mit 2.0-Spielkram. Und so langsam dämmert mir: Bluelectric II Oder Die Zukunft Des Personal Publishing ist schon längst da. Hier, vor meinen rotgeränderten Augen.

Die These: Im Zeitalter bunter Sammel- und Spielseiten wie Facebook oder MySpace, die den Schwerpunkt von der Veröffentlichung auf den Austausch von Lebensäußerungen verschieben, sind Weblogs eine vergleichsweise schmale Einbahnstraße. Das Einbahnstraßenhafte wird durch leichte Interaktivität (Kommentare!) gemildert, die Schmalheit (ist das überhaupt ein Wort?) durch die praktische Anwendung von RSS & Co., in Feedsammeleien wie FriendFeed. Darüber hinaus sind Weblogs an sich doch schwerfällig (hätte ich nie gedacht, dass ich mal einen solchen Satz hinschreiben würde!).

Die Antithese: Gerade auf der Basis von RSS-Technologien lassen auch Weblogs sich ganz prima vernetzen und stehen deshalb der Konkurrenz von Facebook & Co. alles andere als hilflos gegenüber.

Der Beweis: Diese Seiten, um nur ein, noch nicht mal sonderlich strukturiertes Beispiel zu nennen. Der Inhalt dieser Seiten findet sich in einem Feedreader Ihres Vertrauens, sowie als Link, z.T. mit Teaser in jedem beliebigen 2.0-Spielzeug (derzeit u.a. FriendFeed und Facebook – das automatische Posten von Links zu Twitter erspare ich mir und der Welt). Umgekehrt finden sich hier meine Twittereien und Links zu Artikeln, die ich im Feedreader der Fa. Guglrieder als interessant markiert habe. Und das ist nur der Anfang.

Mal sehen, wie sehr sich ein Weblog vernetzen lässt, bevor die Sache unübersichtlich und nervig wird. All das ist ein Live-Experiment, und was davon schiefgeht, ist auch rasch wieder vom Sender genommen.

Redaktionelle Anmerkung: In der linken Spalte der Hauptseite finden sich Links zu den diversen Feeds, die von hier aus bedient werden. Und dort findet sich auch ein unauffälliger Hinweis auf ein Tumbleblog, dass versuchsweise in diesem bunten Zirkus mitspielen soll. Und auch das hat natürlich einen RSS-Feed.

RSS rulez. Um mal was ganz Kluges ganz doof auszudrücken.