Silvio, Kaiser und Gott

Alter Hut des Tages: Jedes Volk hat – zumindest in Demokratien westlicher Prägung – die Regierung, die es verdient.

Womit wir bei Berlusconi wären.

Es ist ja nicht so, dass der kleine Mann mit dem Riesen-Ego durch einen Staatsstreich (oder genauer: vier Staatsstreiche) Regierungschef in Rom geworden wäre. Er wurde gewählt und gewählt und gewählt (und gewählt), und da können sich die Protestanten in Rom auf den Kopf stellen.

Interessant ist nicht (jedenfalls nicht sonderlich), welche Abgeordneten sich Silvio der Letzte diesmal gekauft hat, um das sichere Misstrauensvotum im Abgeordnetenhaus doch noch zu kippen. Interessant ist, dass das – und all das andere, das Berlusconi von richtigen anderen europäischen Regierungschefs unterscheidet, die Strafverfahren, die maßgeschneiderten Gesetze, die Affären mit jungen Mädchen (na gut, die offen zur Schau gestellten Affären…) – auch bei der nächsten Wahl einen Großteil der italienischen Wählerschaft genauso wenig stören wird, wie es sie bei den Wahlen Berlusconi II, III und IV gestört hat.

Und ich fürchte, das ist nicht einmal ein Zeichen von demokratischer Verkommenheit oder komplettem Desinteresse. Das ist die Einsicht, dass der politische Teil der Welt nun mal nicht besser ist als der Rest derselben. Der Berluskaiser macht für sein Teil Wikileaks überflüssig (mehr oder weniger), weil er sich mit seinen Wählern im Einverständnis weiß. Zwinker-zwinker.