Sentimental Radio

Aufstehen in Berlin, schlafen gehen in Washington, Gepäck in Amsterdam. Noch Fragen?

Und der Tag hat sich doch gelohnt – in Sitz 32C habe ich endlich das Buch ausgelesen, das ich schon seit Weihnachten von Schlafenszeit zu Schlafenszeit mitschleppe: „Two O’Clock, Eastern Wartime“ von John Dunning (übrigens: keine/r soll sich gezwungen sehen, diesen Link auch zu klicken – aber Amazon liefert auch nach Europa…). Und warum mag ich dieses Buch? Es ist bisher nur auf Englisch erschienen, vergleichsweise anstrengend, weil verwirrend (was ja auch wieder nicht falsch für einen Thriller ist), und es spielt unter anderem in einer Radiostation in New Jersey im Jahr 1942.

Und das ist der Moment, wo ich dahinschmelze. Weil in dieser Station Radio gemacht wird, wie es in Deutschland nie gemacht wurde (weil zu dieser Zeit in Deutschland andere das Sagen hatten), und weil darin Absätze vorkommen wie:

Erstaunlich, wie schnell das alles vorbei war. Wie etwas, das so gross und voller Lebenskraft war, zu einem Theater labernder Diskjockeys und aufgeblasener, überheblicher Talkmaster verkommen konnte… Harford starb, und seine Station wurde wieder und wieder verkauft. 1955 nannte sich der Sender WROK, „The Big Rock“, und eine neue Generation von sehr anderen Radiomenschen, keiner älter als dreissig, sass im oberen Studio, spielte Rock’n’Roll, redete über die Musik, sagte eigentlich nichts und füllten die Zeit mit pausenlosem Lärm. (Spontanübersetzung von mir)

Und warum ist das jetzt besonders lustig? Weil ich, noch nicht dreissig, Rock-Musik spielte, über die Musik quatschte, eigentlich nicht viel sagte und die Zeit… Nun ja.