Selbstversuch

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Alleine ist der konkrete Mensch nur, weil er erkältet und die Familie beim Skifahren ist. Und dann guckt sich der Mensch „Wer wird Millionär?“ an, fühlt sich von Jauch unterhalten und wird übermütig.

Und dann lässt der Mensch die Glotze an, schaltet nicht weg von RTL und sieht sich – zum ersten Mal im Leben und nur geringfügig von der Kritik in anderen Medien beeinflusst – „Mario Barth präsentiert“ an. Großer Fehler.

Barths Einführungsmoderation ist weder lustig noch intelligent noch eine Moderation. Dieter Nuhr ist besser als Barth – alles andere wäre unmöglich -, aber auch nicht wirklich gut. Wenigstens zuckt der eine Mundwinkel ab und zu – bis Barth wieder auftritt. Schon tun mir wieder alle leid – Nuhr, die Welt, ich. Und der Kater schimpft – das tut er sonst nur, wenn er mit dem Essen nicht zufrieden ist.

Jetzt ein Spiel: „Bumsda“, eine Parodie, eine Penner-Version von Dingsda, unter völliger Missachtung der Tatsache, dass schon diese Sendung nur durch putzige Kinder erträglich wurde. Penner sind nicht putzig.

Zwischendurch ein Hinweis an den mutmaßlichen (bis zum Beweis des Gegenteils, und diesen Beweis tritt er schon selbst an) Moderator: Über irgendwas selbst lachen macht dieses Irgendwas nicht komisch.Das hat Ihr Publikum vielleicht noch nicht verstanden, aber Sie sollten sich an diesen Gedanken gewöhnen.

Regina Halmich, Boxerin. Nach 20 Minuten Sendung besteht Hoffnung. Wann schlägt sie zu?

Nuhr erzählt eine Anekdote über rechenschwache Fußballer, Barth ist begeistert, das Publikum rast. Erstaunlicherweise nicht fort.

Halmich möchte jetzt „was im Bereich Moderation“ machen – also Boxkämpfe und so, und trotzdem lässt Barth sie vom Teleprompter ablesen. Halmich stolpert im dicken Fichtendickicht – extrem vorhersehbar – und alle gröhlen. Sie hat „ficken“ gesagt. Hua, hua, hua. Und ich streiche bald 20 Jahre Radio-Moderation aus meinem Lebenslauf – es ist zu peinlich.

Nuhr behauptet, er habe eine Ausbildung als Schlumpf. Glaube ich ihm aufs Wort. Aber lachen kann ich darüber nicht – die bisherigen 28 Minuten der Sendung haben meine Mundwinkel am Unterkiefer festgetackert.

Werbepause. Und ich habe fertig.

An sich wäre hier eine Analyse des Phänomens Barth fällig. An sich würde ich ihn und seine Kollegen, die sich „Comedians“ nennen, gerne mit den bekannteren Vertreter des Genres aus den USA vergleichen. Aber das geht nicht; vielleicht lassen sich noch Äpfel mit Birnen vergleichen, aber nicht Lebewesen aus unterschiedlichen Galaxien. Und das ist der eigentliche Schlüssel zum Geheimnis: Seinfeld, Williams, Garofalo, Silverman sind Amerikaner (oder Kanadier, manchmal nicht ganz einfach zu unterscheiden), Barth & Co. sind Außerirdische.

Unterirdische.

Nein. Nein, nein. Nein, nein, nein. Aber in einer Welt, in der es VW Touaregs, Roland Koch und Microsoft Vista gibt, gibt es wohl auch Mario Barth.

Es ist 21:57, und ich schalte ab. Um eine Erfahrung, äh, reicher. Danke, RTL.