Schwarzwald

Es ist nun bald drei Jahre her, dass ich anhub und schrieb:

Daran fühlte ich mich gestern abend erinnert. Aber der Reihe nach…

Ich gebe zu, manchmal einen schlichten Geschmack zu haben. Das ist der Grund, weshalb ich heimlich (nur meine Frau, meine Katze und meine Leser wissen davon) „Hubert und Staller“ (Wikipedia) gucke, auch wenn die Folgen im Bayerischen Fernsehen wiederholt werden. Und meine Grundfaulheit war daran schuld, dass ich dort hängenblieb und zum ersten Mal in meinem verpfuschten Leben Grünwalds Freitagscomedy (Wikipedia) sah.

Oh Gott. Bzw. oha!

Nun stehe ich Sendungen mit dem Aufkleber „Comedy“ schon extrem misstrauisch gegenüber, wenn sie von Sendern stammen, die Unterhaltung zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Und bei aller Liebe zu meiner bayerischen Heimat Bayern und zu ihrem Staatssender ihrer Landesrundfunkanstalt, (Disclosure) für die ich auch eine Zeit lang gearbeitet habe: Linksliberale, oppositionelle und überhaupt funkelnde Unterhaltung würde ich zuerst anderswo suchen.

Mit Recht. Denn Günter Grünwald macht Altherrenwitze über junge Weihnachtsmänninnen, deren einziger Zweck in der Sendung ist, gut auszusehen und Herrn Grünwald auf einem Schlitten ins Studio zu ziehen, damit er Altherrenwitze über sie machen kann (nun gut, der Mann ist zwei Jahre älter als der Alte Zausel™, der diese Zeilen schreibt, womit er ein gewisses Recht hat, Altherrenwitze zu machen). Er stellt Bonzo dar, einen Kleinkriminellen, der flache Fernseh, wo sind vom Lastwagen gefalle, verkauft und mit südosteuropäischem Akzent spricht; Umkehrschluss: ein Kroate, der klaut. Er regt sich über political correctness auf (OK, darüber können wir verhandeln). Er schreibt und spielt einen muffigen Sketch über die fremdgehende Frau des Weihnachtsmannes und ihren dauertrinkenden Gatten; merke: trinkende Männer sind lustig, fremdgehende Frauen auch. Und er ist über weite Strecken eher unlustig, was einem Teil des Studiopublikums gerade im Einstiegsmonolog auffällt, weshalb Lacher und Applaus endenwollend sind. Immerhin lacht er selber gerne über seine Pointen was immer er gerade gesagt hat.

Gut. Wundert mich nicht. Gute Comedy oder auch, um ein altmodisches Wort zu verwenden, gutes Kabarett sind schon im bundesweiten Fernsehen schwer zu finden, umso mehr im regionalen. Und es ist sicher nicht leicht, gleichzeitig mich und ein durchschnittliches Regionalfernsehpublikum zu erheitern, und verständlich ist, dass man sich als rückgratloser verantwortlicher Redakteur dann lieber für das durchschnittliche Regionalfernsehpublikum entscheidet.

Dass aber Günter Grünwald den Grünen so nahesteht, dass er nach seinem Wikipedia-Artikel einmal für sie als Bürgermeisterkandidat in Ingolstadt antrat, macht diese Partei leider unwählbar zeigt, dass es auch bei den Grünen einen weit gefächerten Meinungs- und Geschmackspluralismus gibt. Was vielleicht auch wieder ganz gut ist.

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