Schwarz. Rot. …

Am Bild zum letzten Eintrag haben es Kundige sofort festgestellt: Ich bin in Bonn. Und in einem Mercedes mit schwarzrotgoldenen Fahnen durch Bonn gefahren zu werden, bedeutete zumindest in meiner Jugend (= im letzten Jahrtausend), mindestens Staatsgast zu sein. Heute morgen bedeutete es, dass der Taxifahrer, der mich zur Zentrale meines Arbeitgebers brachte, drei Deutschlandfahnen an seinem Wagen hatte.

Dass der Mann damit nicht allein ist, weiß jeder, der in diesen Wochen InDULa (= „In Diesem Unseren Lande“) nicht unter einem Stein lebt. Und ich weiß auch, dass nachdenkliche Bundesrepublikaner ihrer Gewohnheit nachgehen und darob nachdenklich werden.

Nun bin ich nicht sonderlich nachdenklich, und auch Bundesrepublikaner bin ich hautsächlich, weil es so in meinem Pass steht. Ich war – ohne dass es in meinem Pass stand – fast acht Jahre lang US-Amerikaner, ich habe in diesen Zeiten weit mehr Sternenbanner gesehen, als viele meiner Pass-Landsleute vertragen, und ich habe zeitweise selbst das Sternenbanner auf meinem Auto spazierengefahren. Von daher ist es mir nicht so fremd, Nationalfahnen nicht nur an offiziellen Gebäuden zu sehen.

Ja, warum soll es nicht auch die schwarz-rot-goldene Fahne sein? Sie steht immerhin für die Revolution von 1848, auch wenn die rasch im Bürgerlichen versandet ist. Sie steht für die demokratische Phase in der deutschen Geschichte, die durch die Hitlerei beendet wurde. Sie steht für die westdeutsche, etwas muffige, aber friedliche Wiederaufbauphase nach dem 2. Weltkrieg, und sie steht auch, mit der Abbildung von Werkzeug, für die ostdeutsche Nachkriegsgeschichte. Im Grunde muss man sich der Farb-Kombi nicht genieren – und doch haben wir Politisch Korrekten™ das in den siebziger, achtziger, auch neunziger Jahren noch getan. Fahnen waren irgendwie iiihhhh.

Egal. Ist vorbei. Das Geflatter auf den Straßen wird wohl nach der WM wieder nachlassen, schwarz-rot-gold ist dann wieder den offiziellen Gebäuden und Fahrzeugen überlassen, die ganz Rechten bevorzugen sowieso schwarz-weiß-rot, und damit ist gut. Zurück bleibt dann nur die Erinnerung an eine Zeit, als die gar nicht so fröhliche Kombination für ein paar fröhliche Wochen im Sommer stand – und für ein bisschen Normalität.