Schneesturm oder Shitstorm

Mag sein, dass ich noch nicht ganz wach bin, mag aber auch sein, dass Google da was falsch verstanden hat (obwohl ich angesichts der versammelten Intelligenz bei Google und der Menge Geldes, die Google für die Benutzung dieser Intelligenz ausgibt, eigentlich nur hoffen kann, dass ich es bin, der hier was falsch versteht). Jedenfalls lese ich mit großem Erstaunen in der Newsletterabteilung meiner Mailbox diese Schlagzeile:

Google announces privacy changes across products; users can’t opt out

Inhalt des Artikels, kurz zusammengefasst: Google bündelt seine Produkte – und unsere Nutzung derselben – noch enger und verlangt, dass wir Google-Nutzer zustimmen, dass unsere Aktivitäten innerhalb dieser Produkte verfolgt und – versteht sich – zu unserem Nutzen ausgewertet werden. Bangemachen Neinsagen gilt nicht.

Die Begründung dafür klingt ein wenig nach „Wir haben jetzt soviel Intelligenz in diese ‚Verbesserung‘ gesteckt, da könnt ihr nicht erwarten, dass wir uns auch noch eine schlaue Begründung ausdenken“:

[…]if you’re signed in, we may combine information you’ve provided from one service with information from other services. In short, we’ll treat you as a single user across all our products, which will mean a simpler, more intuitive Google experience.

…schreibt Alma Whitten, die bei Google ausgerechnet für den Datenschutz bei Produkten und Entwicklung verantwortlich ist, in einem Blogpost.

Well done, Google.

Speziell in Zeiten, in denen auch ernstzunehmendere (geht so ein Komparativ eigentlich?) Gestalten im Netz über einen Wechsel zu – ausgerechnet! – Microsofts Suchmaschine Bing oder zu weniger bekannten Alternativen wie Badabing DuckDuckGo wechseln nachdenken, würde ich das schon als besonders hasenhirnigen move bezeichnen.

Aber, wie gesagt: Vielleicht brauche ich erst noch einen Kaffee, um die Weisheit dieser Entscheidung zu kapieren. Und die ganzen besorgten Datenschützer, die die WashPost in ihrem oben (und gleich nochmal) verlinkten Artikel zitiert, auch.

Update: Golem.de findet immerhin Googles Offenheit gut und hat damit Recht. Aber man spricht auch die einzige Möglichkeit an, bei dieser Datenkuppelei nicht mitzumachen: auf Google verzichten. Ganz oder teilweise.

9 Gedanken zu „Schneesturm oder Shitstorm“

  1. Es wird Zeit, dass man sich eine Alternative in Sachen Suchmaschine sucht. Selbst wenn man Google nicht komplett ausschliesst, wird es Zeit (eigentlich ist es längst überfällig), dass man andere Wege geht. Heute ist Microsoft ja quasi der Herausforder geworden. Google ist „die (böse?) Macht“. Überraschend kommt der Schritt nicht, den Google nun macht. Ich habe den Eindruck, dass Larry Page im Unternehmen dafür sorgt, dass Google seine Ziele nun deutlich aggressiver angeht als unter dem smarten und nicht übergierigen, aber dafür schlauen Eric Schmidt.

    Für uns Nutzer wirds endgültig Zeit, erwachsen zu werden. Nicht alles, was bunt ist und hübsch, ist auch richtig.

  2. is mir alles wurscht, aber dass mir demnächst der classic look beim gcal genommen wird, also da ist für mich und meine Verlobte der dings, der Rubikon am überlaufen!

    • Jörg, watt iss’n der Classic Look? ich dachte, der Kalender sieht seit der letzten Eiszeit gleich aus (mal von dem schwarzen Balken am oberen Rand abgesehen)…

      Oder ich muss mal wieder die Brille putzen.

      • Nein, nur mal oben rechts in den settings „try new look“ auswählen. Momentan penetriert Gcal (nur mich?) mit dem Hinweis: „The old Google Calendar look you are using is going away soon. Check out the improvements we’ve been making by choosing „Try the new look“ from the gear menu.“

        Ich habs probiert, gefällt mir nicht, und nu?

        • Und nu? Dumm gelaufen, würd’sch ma sagen. Das ist die neue, modische, neumodische Blässe.

          Ich als einer, der im vorletzten Jahrzehnt noch mit Palm-Synchronisationen gezittert hat, bin ja schon froh, wenn von meinen Daten nix verschütt geht. Man ist ja bescheiden geworden.

          • Und nu? https://www.zoho.com/calendar/ vielleicht? Der sieht quasi so aus wie Gcal Classic. Aber selbst wenn man alles sauber von Google auf Zoho rüber bekommt und von dort wieder auf die diversen Endgeräte: es hat Jahre gedauert, Familienmitglieder und sonstige Kollaborateure (Bandmitglieder und so) von den Vorzügen eines gemeinsamen Google-Kalenders zur Terminabsprache zu überzeugen, soll das jetzt alles von vorne losgehen?

  3. Ich hoffe ja mal das alle die die da jetzt am lautesten wegen Datenschutz und insbesondere der Verbindung von Daten ueber unterschiedliche Dienste hinweg rumkrakeelen nicht Apple’s Siri benutzen und wundertoll finden. Komischerweise habe ich bei einigen das Gefuehl genau das ist der Fall…

    • Was trostreich ist: Man muss ja nicht gleich das ganze Google verlassen. Es reicht ja schon, nur einige Dienste woanders anzusiedeln, um die Profilerei ein wenig zu verwässen (auch wenn Statistiker mir da was anderes erzählen würden. Aber dafür sind es ja auch Statistiker, und ich bin keiner).

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