Scheiss Technik

Freiheit statt Angst am Hackeschen Markt
Freiheit statt Angst am Hackeschen Markt

Dinge, die ich heute als einer von (nach Veranstalterangaben) 20.000 Teilnehmern der „Freiheit statt Angst 2013“ gelernt habe:

  • Mit 55 und auch einige Jahre nach einer erfolgreichen Meniskus-Operation ist gemeinschaftliches Rumstehen und Durch-die-Straßen-Schlurfen nicht mehr so einfach wie mit 25. Ach. Note to self: Mehr spazierengehen.
  • Wer sich mit 20.000 gleichgesinnten Handynutzern die selben zwei oder fünf Funkzellen teilt, muss sich nicht wundern, wenn er während der ganzen Demo gerade mal ein Foto hochladen kann. Note to self: Provider einen Namenswechsel zu E-minus vorschlagen.
  • Stichwort Handynutzung: Natürlich meint Android, die ohnehin verschissen große Facebook-App unbedingt während der Demo in den oben erwähnten überlasteten Funkzellen aktualisieren zu müssen, saugt mit ungezählten vergeblichen Versuchen buchstäblich innerhalb von drei Stunden den Akku leer, lässt sich aber auch nicht von den Updateversuchen abhalten, weil man für das Abschalten der automatischen Updates eine Verbindung zum Google Play Store braucht, die sich hinwiederum nicht aufbaut, weil ja – s.o. – die Funkzellen überlastet waren – Ende der Geschichte: Um die zwanghaften Aktualisierungen zu stoppen, musste ich Facebook vom Handy schmeißen. Aber da war es schon zu spät, und der Akku war auf 20%. (Daher auch die Überschrift zu diesem Text)
  • „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut!“ lässt sich ja schön mitgrölen. Aber mit dem alten Klassiker „Bürger, lasst das Gaffen sein, kommt herunter, reiht euch ein!“ hätte man die paar Fenstergucker noch zuverlässiger von ihren Fensterplätzen verscheucht.
  • Was übrigens noch mehr Freude macht als auf eine Demonstration zu gehen, weil einem das Thema am Herzen liegt: mit der eigenen Tochter auf die Demo zu gehen, um ihr klarzumachen, wie wichtig es ist, sich bemerkbar zu machen (war ihr aber schon vorher klar).

Aber immerhin: 20.000. Und selbst wenn es nur die vom rbb wahrgehabten mehr als 10.000 Teilnehmer waren – ganz unsichtbar waren wir nicht. Aber im Weggucken ist unsere Bundesregierung ja geübt.

2 Gedanken zu „Scheiss Technik“

  1. Das ist tatsächlich mal Pech, so rein technikmäßig. Aber wer bei E-Plus ist, der hat es auch nicht anders verdient. 🙂

    Sorry, ich sehe den „Erfolg“ ein wenig anders. Ich bin sehr enttäuscht. Wenn sich bei einem Thema, das in den letzten Monaten mit fiesesten Enthülllungen in den Medien war, so dass es gar nicht mehr schlimmer werden kann, so wenige Menschen mobilisieren lassen, dann war es kein Erfolg. Leider.

    • Vor ein paar Wochen war eine andere, wenn auch erheblich kürzerfristig (heißt das so?) angekündigte Demo zum Themenkomplex, und da waren statt der erwarteten 10.000 nur unter 5.000 erschienen (Quelle: Erinnerung, die unzuverlässige Schlampe). Auf der anderen Seite waren im Zensursula-Jahr mehr als 25.000 zur „Freiheit statt Angst“ gekommen, und Zensursula war ein erheblich kleinerer Aufreger. So gesehen, und angesichts der Wahlen in zwei Wochen, haben wir es hier mit einem klassischen „Too little, too late“ zu tun.

      Aber immerhin: 1’20 in der Tagesschau (und nicht nur ein kurzer Schnipsel bei n-tv). Damit ist in der erstarrten Medienrepublik mehr erreicht als mit einer Demo irgendwo dahinten bei de Preiss’n.

Kommentare sind geschlossen.