Scheiss Job

Von Trauer um ermordete DW-Journalisten berichtet nicht nur die Deutsche Welle; der Tod von Karen Fischer und Christian Struwe im Norden Afghanistans ist Gesprächsthema in der Redaktion, war heute – vorhersehbar – Gegenstand von Ansprachen der Chefs.

Ich kannte die beiden Opfer nicht – die Deutsche Welle ist eine ziemlich große Organisation. Ich bin aber sehr erschrocken über die ersten Meldungen am Wochenende – weil ich durchaus Kolleginnen und Kollegen kenne, die regelmäßig, oft auch auf eigene Rechnung, nach Afghanistan reisen und mit neuen Stories und neuem Material zurückkommen. War es einer, den ich kannte, von dessen Tod ich aus dem Fernsehen erfuhr? Ich hatte mir übers Wochenende jeglichen Internet-Zugang verkniffen, und in der Redaktion wollte ich auch nicht anrufen, wahrscheinlich, weil ich mich vor der Antwort fürchtete.

Nun waren es also eine Kollegin aus Bonn und ihr Freund und MItarbeiter, die in Nord-Afghanistan ums Leben gebracht wurden, nicht Kollegen und Freunde aus einer Berliner Redaktion. Das macht die Trauer, so schlimm das klingt, etwas distanzierter, etwas erträglicher. Aber das Nachdenken, was es war, das Fischer und Struwe nach Afghanistan brachte. bleibt.

Den beiden Kollegen ist kaum Sensationsgier vorzuwerfen. Sie fühlten sich vielmehr, wie viele Mitarbeiter der Deutschen Welle, der Völkerverständigung durch Berichterstattung verpflichtet, riskierten viel, um der Welt Geschichten aus den vergessenen Ecken dieser Welt erzählen zu können, riskierten offenbar zuviel.

Gibt es Geschichten, die zu erzählen ein Menschenleben (oder deren zwei) wert sind?

Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.