Sau, durchs Dorf getrieben

Normalerweise halte ich mich von sowas ja lieber fern (was bluelectric.org zwischenzeitlich auch ein wenig unspannend macht, aber trotzdem!), aber die aktuelle Sau verlangt danach, rausgelassen zu werden.

Da fängt sich ein Medienjournalist auf seinem Blog also einen Troll ein. Der Medienjournalist meint, der Troll sei ein bekannter deutscher Medienmanager, nämlich der Verlegersohn Konstantin Neven DuMont, nennt dessen Namen und wirft ihm systematische Störung vor. Neven DuMont gibt zu, dass die strittigen Kommentare von seinem Rechner aus gepostet wurden, bestreitet aber, es selbst getan zu haben, und will sich jetzt aus dem Medienmanagement zurückziehen.

Und schon regt sich Klein-Bloggersdorf auf. Eine Hetzjagd habe der Medienjournalist, Niggemeier mit Namen, eröffnet. Ein Grundrecht auf Anonymität sei verletzt worden (OK, im verlinkten Text steht nur etwas von einem Recht auf A., aber die vorgebrachte Empörung hätte auch für ein Grundrecht gelangt). Niggemeier is not my blogger. Ja, geht’s noch?

Man könnte das Gefühl haben, Niggemeier sei als Hilfswärter von Abu Ghraib enttarnt worden.

Dabei ist die Sache einfach nur banal. Ein Medienmensch hat einen anderen Medienmenschen dabei erwischt, sich selten dämlich anzustellen (und auch das Unbewachtlassen eines Computers für eine Zeit, die ausreicht, eine dreistellige Zahl von Stusskommentaren abzusetzen, ist selten dämlich), hat reagiert, wie Medienmenschen eben reagieren (ich weiß, wovon ich rede), und eine Geschichte erzählt, die – wie Beispiel zeigt – auf großes öffentliches Interesse stößt. Um das zu tun, sind sie nämlich Medienmenschen geworden.

Die verlorene Ehre eines Bloggers? Blogdorf in Gefahr? Ihr habt sie doch nicht mehr alle.