rpTEN is on

Es gibt (mindestens) zwei Arten, eine Veranstaltung wie die rpTEN zu eröffnen. Da wäre einerseits die fröhliche, optimistische, vielleicht auch etwas sentimentale Art, wie sie die Menschen hinter der re:publica, also die, die die wirkliche Arbeit machen, zum Zehnjährigen auf die Bühne gebracht haben. Die üblichen Verdächtigen (nein, das meine ich nicht böse) von Th. Knüwer bis M. Beckedahl erinnern sich mit Tränen in den Augen (des einen oder anderen im Publikum) an die Zeiten in der Kalkscheune (ich erinnere mich an Platzangst auf der Treppe in den ersten Stock derselben), als das WLAN nicht funktionierte (ich schreibe diesen Text über UMTS, weil das WLAN, nun ja…), als jeder noch ein Blog hatte und Twitter erst noch kennenlernen musste…

Spiegeldeko auf der rpTEN
Reflektion und Selbstreferenzialität: die re:publica im 10. Jahr

Klar, das kann man so machen, Wenn ich zum zehnten Mal eine re:publica auf die Beine gestellt hätte, würde ich das auch so machen, sentimentales Tränentier, das ich bin.

Weil ich aber nicht nur das bin, bin ich sehr dankbar dafür, gerade die Keynote von Mishi Choudhary und Eben Moglen zu hören (während ich dies schreibe – die Schlusspointe war also noch nicht). Die beiden sprechen vom net we do not want (dem kommerziellen, überwachenden, analysierenden Netz), an dem wir durch unsere Mitwirkung mitbauen, und das wir, so sehr wir es selbst nicht wollen, drauf und dran sind, der noch nicht vernetzten Hälfte der Menschheit überzustülpen. (Ein Satz wie dieser kommt dabei heraus, wenn man komplizierten Sachverhalten auf englisch zuhört und gleichzeitig auf deutsch zusammenzufassen versucht.)

SIri und Cortana sind unsere Assistenten (jaha!) und spionieren uns aus (ach was?). Und gerade jetzt wird die Folie mit der Aufschrift „Next Stop: Dystopia“ an die Wand geworfen, und die beiden Speaker malen das Bild einer totalitären Gesellschaft, die im Gegensatz zu denen des 20. Jahrhunderts sehr gut skaliert, weil nicht mehr Menschen die Überwachungsarbeit machen, sondern Maschinen. Und dabei geht es für uns in der industrialisierten Welt vielleicht noch nur um die Konsumgewohnheiten – anderswo, gar nicht so weit entfernt, in einem benachbarten Sultanat, geht es schon um die Freiheit des Einzelnen.

So what can we do?“ fragt Moglen gerade, und der Beamer kommentiert mit „Marchons Les Enfants„. Nicht das Netz zu nutzen, sei keine Option, meint er – stattdessen die Technik zu bauen und zu nutzen, die unsere Daten schützt, verschlüsselt, vermischt (um sie sicher gegen Analyseversuche zu machen). Das – ehrlich gesagt – ist nicht wirklich neu. Meine Erfahrungen im persönlichen Umfeld zeigen aber immer noch, auch im Jahr 2016, ein erschreckendes Desinteresse – oder, noch schlimmer, Resignation.

The Internet of Things sollte vielmehr das Internet of People First werden – frei von den Plattformen (und lieber im eigenen Blog, fragt der Blogger?). Einen Zeithorizont hat Moglen auch gesetzt: Wenn wir jetzt nichts tun, wird es zur 20. re:publica nichts mehr zu tun geben.

Prima. Anderthalb Stunden , und schon bin ich deprimiert.

3 Gedanken zu „rpTEN is on“

    • Danke für den Hinweis – das scheint ein neuerer Bug in WordPress zu sein. Seit dem Update auf v4.5 legt WP die Links auf die Bild-Seite nicht mehr korrekt an, sondern erfindet irgendwelche „benutzerdefinierte“ Links (ich definier hier gar nichts!), die ins Nirgendwo führen. Bei der Korrektur macht WP dann alles richtig.

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