Rambling nach langem Warten auf den Server

Ihr nehmt das alles viel zu ernst, Leute. Da schreibt jemand im „Freitag“, einer Wochenzeitung, die ich gerne als allgemein überschätzt charakterisieren würde, wenn ich sie in den letzten neun Jahren auch nur ein einziges Mal angesehen hätte (hab ich aber nicht!), einen Artikel, der sich kritisch mit der neumodischen Sitte des Bloggens auseinandersetzt. Und schon herrscht allgemeine Diskussion darüber, wie denn in einem ernsthaften Medium so etwas Unqualifiziertes drinstehen könnte, und dass die Autorin doch nur mal ein paar deutsche Weblogs angucken hätte sollen müssen können, um zu sehen, dass…

Hello?

Lasst es Euch von einem sagen, der es wissen muss: Auch Journalisten sind nur Menschen. Und gelegentlich kommt es eben vor, dass eine/r von uns schlicht schreibt, was die Betroffenen betroffen macht. Weil er/sie nicht genügend recherchiert hat, oder weil das Rechercheergebnis nicht in die Story passte, oder weil gerade wieder der Kaffee alle ist (dafür sollte der Schockwellenreiter besonderes Verständnis haben), oder weil der zuständige Redakteur gesagt hat: „Schreib mal was über dieses komische Gewichse da im Internet“ oder… ja, oder weil die nach bestem Wissen und Gewissen geführte Recherche eben einfach ein Ergebnis erbracht hat, das mit der Meinung der Betroffenen nicht konform geht.

Soll vorkommen. Und? Ist es deshalb an der Zeit für eine Selbsterforschung? Nee, falsch betont: Ist es deshalb an der Zeit für eine Selbsterforschung? Nee. Nicht deshalb.

<STAATSTRAGEND> Jeder hat das Recht, seine Meinung frei etc. etc. etc. Und das Netz ist eine ideale Gelegenheit dafür.</STAATSTRAGEND> (Und ich bin schon Amerikaner genug, um selbst Neonazis, Bombenbastlern und Osama bin Laden dieses Recht zuzugestehen, denn Redeverbote haben noch keinen davon abgehalten, Gewalt zu verüben; wenn Extremisten sich öffentlich äussern, kann wenigstens hinterher keiner sagen, er habe nichts davon gewusst…) Und deshalb darf jeder aus Gründen, die er niemandem erklären muss, schreiben, was und wieviel er verantworten will; wem der Mitteilungsdrang seiner Mitmenschen nicht einleuchtet, der soll von mir aus den „Freitag“ für eine bedeutende Wochenzeitung halten und sich glücklich schätzen, dort ungestört veröffentlichen zu dürfen.

So. Und zu Ehren von Puretec summen wir jetzt leise und versonnen die Hymne der ehemaligen Ostpiefkei (österr. Fachausdruck, den ich dem nicht nur von mir sehr verehrten Harry Rowohlt verdanke):

Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt…

Einer Zukunft, in der der Server sich nicht zweimal innerhalb eines Wochenendes für vier bzw. fünf Stunden verabschiedet, gell?