Punk 0.2

[Disclaimer: Ich arbeite für einen großen öffentlich-rechtlichen Sender, und was der Mann, der sich @videopunk nennt, gleich abkriegt, hat sicher auch mit meinem professionellen Unbehagen über vieles, was sich „Journalismus“ nennen möchte, zu tun]
 
Ich habe den Punk gesehen. Er ist ungefähr so mager wie ich (also nicht), trägt einen schwarzen Anzug und brav zurückgekämmte Haare, und er hat dem Publikum der re:publica gezeigt, wie der Journalismus der Zukunft aussieht:
 
Information per Twitter, zur Illustration unbearbeitetes Video, und schneller als jede Agentur.
 
Ach. Dahinter steckt möglicherweise die nicht gemachte Erkenntnis, dass Agenturen, Zeitungen, Fernsehsender nicht etwa deshalb so langsam sind, weil sie nur von Schnarchnasen bevölkert sind, sondern weil dort eben aus Rohmaterial noch ein Produkt gemacht wird, eines, das auch ohne eigene weitere Recherche- und Zusammensetzarbeit auskommt. Journalismus eben.
 
Oliver Gassner, der neben mir saß, bezeichnete diese Art von Journalismus 2.0 als „Quantitätsjournalismus“, und er hat Recht. Schnellerhöherweiter als journalistischer Standard.
 
Aber eins hat mir der Videopunkvortrag gezeigt: Wie man die Form einer Präsentation ihrem Inhalt angleicht: Auch die Präsentation (Powerpoint, Screenshots, Videoclips) war ein wenig vorbereitet wirkendes Sammelsurium von Bruchstücken, und mehr als einer hat den Saal ratlos verlassen.
 
Dabei haben wir hier nur das Paradigma des Halbfertigen als Gesamtkunstwerk beobachtet.
 
Und noch’n Hinweis: Vor dem Halbkunstwerk noch eben in die Präsentation eines Markus Ackermann, Student in Kaiserslautern, geguckt. Seine Master’s Thesis ist Hello World, ein auf Open Source beruhendes, denzetrales und offenes soziales Netzwerk. Unbedingt näher angucken und weiter beobachten!

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