Privacy? Phhhh…

Auch Wired-Kommentator Tony Long hat Googles neuen Dienst Street View als Hassobjekt entdeckt und teufelt über die Implikationen vor sich hin, die unautorisiert im Netz veröffentlichte Fotos von ahnungslosen Menschen auf deren privacy, Intimsphäre, Menschenwürde etc. haben. Und während ich ihm grundsätzlich Recht gebe, was das (im deutschen Recht übrigens durchaus festgeschriebene) Recht am eigenen Bild angeht, denkt der kleine konservative Rebell in mir leise, dass jemand, der sich halbnackt in der Öffentlichkeit zeigte und jetzt entsetzt über sein Bild in Street View ist, sich vielleicht schon vorher, im Interesse der wesentlich kleineren physisch anwesenden Öffentlichkeit, ein paar Gedanken über das öffentliche Halbnacktsein hätte machen können…

Aber das gehört ja gar nicht hierher.

Was ich an Longs Kommentar aber viel interessanter finde, ist die Einleitung, in der er mir bestätigt, was mir schon in meiner Washingtoner Zeit aufgefallen war:

We Americans, historically, have fiercely guarded our personal privacy. It’s one of our defining characteristics. … „Mind your own business“ is a singularly American expression.

But now we’ve allowed that birthright to be compromised, in a hundred little ways, and in a few conspicuously big ones, by an increasingly meddlesome government — not to mention opportunistic, predatory marketers — armed with the technology that gives them an easy entrée into our most secret places.

Genau. Ausgerechnet meine Wahl-Landsleute geben ihren Anspruch auf Privatsphäre mit einer erstaunlichen Blauäugigkeit auf. Aber soll mir keiner sagen, dass das in diesem unseren Lande viel anders wäre.

Schon flickr-Spielereien wären nur noch halb so schön, wenn wir das eigene und das Recht der anderen auf Privatsphäre wirklich achteten. Und ausgerechnet in einem Weblog, also einer Form des grassroots journalism, ob es uns passt oder nicht, über das Recht auf Nicht-Öffentlichkeit nachzudenken, hat auch seine ironischen Seiten. Und doch: vielleicht sollten wir uns (ja, auch wir) gelegentlich wieder auf das Grundrecht aufs Alleingelassenwerden besinnen und dies anderen auch klarmachen.