PR

Lesen statt Schreiben – soll auch alten Bloggern gelegentlich passieren. Womit ich mir derzeit die Zeit vor dem Einschlafen um die Ohren schlage (und zuverlässig verlängere), ist ein politisches Sachbuch aus den USA, The Greatest Story Ever SoldThe Greatest Story Ever Sold von New York Times-Autor Frank Rich. „Sold“ im Gegensatz to „told“ – in diesem Buch geht es um – so der Untertitel – „The Decline and Fall of Truth from 9/11 to Katrina“, also um die Geschichten, die die Bush-Regierung einer staunenden und furchtsamen Nation verkauft, um sie bei der Stange zu halten.

Was ich so besonders interessant finde: Vor fünf Jahren verbrachte ich Tage und Nächte im Washingtoner Büro meines damaligen und heutigen Arbeitgebers und berichtete über die Ereignisse zwischen dem 11. September und dem Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan. Schon damals kamen mir, meinen Kollegen und nicht allzu wenig meiner damaligen Wahl-Landsleute einige der Behauptungen von Vizepräsident Cheney, Verteidigungsminister Rumsfeld und Sicherheitsberaterin Rice recht abenteuerlich vor, wurden von mir, meinen Kollegen und… (s.o.) hingenommen, denn wir konnten es bei aller Politik-„Verkaufe“ nicht glauben, nach Strich und Faden verladen zu werden.

Nun, Frank Rich glaubt genau das – und in mehr als einem Fall kann er es auch beweisen – auch wenn der Beweis im Fall der Behauptung von Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen längst nicht mehr nötig ist. Punkt für Punkt nimmt er die Behauptungen der Cheneys, Rumsfelds und Rices (und nicht zuletzt des Chefs der dreien) auseinander und zeigt, wie leicht aus seiner Sicht sich ein ganzes Land (kann passieren) und, noch schlimmer, eine ganze Journalistenherde (darf nicht passieren!) hat an der Nase herumführen lassen.

Ich bin noch nicht fertig mit dem Buch, werde jetzt noch ein paar Seiten vor dem Einschlafen lesen. Und ich weiß auch aus meiner US-Zeit, das politische Sachbücher, egal, ob im Wahlkampf oder außerhalb, in den USA nie sachlich im Sinn von neutral sind. Auch Rich hat eine agenda – er mag die Bush-Regierung erkennbar nicht. Das ändert aber nichts daran, dass sich das Buch schon sehr spannend liest.