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Zwitscherpause, eine Woche später

Abt. Das glaubt mir doch wieder keiner™: Seit Freitag vergangener Woche versuche ich (weitgehend) erfolgreich, meinen Vorsatz re. Twitter auch wirklich einzuhalten. Wer sich jetzt, zu Recht misstrauisch, auf meinen Twitter-Account durchklickt, sieht auf einen Blick, dass dort seit dem Ausrufen meiner Zwitscherpause durchaus noch Tweets aufscheinen - mit Links zu lesenswerten Seiten, man will die Menschen dort schließlich nicht dumm sterben lassen. Wer jedoch in meinen Mastodon-Account (seit einer Woche auch erreichbar über das kleine M-Icon am Ende dieser und jeder anderen Seite dieser Domain) guckt, wird feststellen, dass ich dort mehr als nur Links poste - nicht viel mehr, man hat ja auch noch ein Real Life™ (und ein Blog), aber doch.

Was mir aber keiner glauben wird (s. vorh. Abs.): Ich fühle mich vollauf bestätigt in der These, die ich vor einer Woche aufgestellt habe. Ich gucke nur noch im dienstlichen Zusammenhang auf die Seite mit dem blauen Vögelchen, und weil das naturgemäß zeitlich sehr beschränkt ist (“Hapztun!” - C. Robin in einer frühen Ausgabe von “Pu der Bär”, o.J.), habe ich kaum noch Zeit und Gelegenheit, mich über Nickeligkeiten, Mißgunst, Hass und Werbung in meiner Twitter-Timeline zu ärgern. Ein ganz großes Plus für die Netzlebensqualität.

Die Antwort des Fediverse auf Twitter, also Mastodon, finde ich mehr und mehr faszinierend. Zwar ist meine Timeline noch recht übersichtlich (muss ja erst wieder Menschen/Tiere/Bots zum Folgen finden), aber der Umgangston ist um Klassen angenehmer, das Maß an echter und vor allem künstlicher Aufgeregtheit erheblich niedriger, und die Werbung fehlt mir aber schon so überhaupt nicht, dass es kaum zu fassen ist.

Der Instanzenweg

Darüber hinaus finde ich aber auch das Konzept hinter Mastodon im Speziellen und hinter dem Fediverse ganz allgemein mehr und mehr faszinierend. Voneinander unabhängige, aber miteinander vernetzte Server (Instanzen) ohne zentralen Anbieter, und trotzdem genauso miteinander interagierend wie in einem zentral organisierten und aufgebauten Netzwerk - und dann funktioniert das alles auch noch! Staun.

Ach ja. Tweets bette ich auf diesen Seiten eher ungern (= gar nicht) ein, sondern zitiere und verlinke nur, um Leser dieser Seiten vor Twittertrackern zu schützen. Toots (das mastodontische Equivalent zum Tweet) kann und werde ich dagegen einbinden, weil und da trackt nix. Sagt mein Firefox, und dem glaube ich das.

Mit ein wenig Wehmut denke ich an frühere Versuche wie Diaspora (mein “All I got is this lousy t-shirt!”-Moment nach dem vergeblichen Crowdfunding damals), aber auch noch existierende wie friendica (ehem. identi.ca). Woran war das damals noch gescheitert? Ich erinnere mich an irrwitzig komplizierte Setup-Anleitungen, die mindestens einen mittleren virtuellen Server erforderten und dann doch nichts nützten, weil der Hosting-Anbieter die erforderlichen exotischen Sprachen nicht bereitstellen wollte.

Mastodon dagegen verlangt auf den ersten Blick nur einen Ubuntu-Server und läuft deshalb auf den zweiten Blick an jeder zweiten Straßenecke (um nur ein Beispiel zu verlinken). Die Versuchung, selbst eine Mastodon-Instanz einzurichten, ist groß; das gebe ich gerne zu.

Nuja, einstweilen tut es auch ein Account auf einem SAL (Server Anderer Leute), den es noch mit mehr Leben zu füllen gilt. Deshalb der Aufruf an alle, die Social Media im Allgemeinen nicht so doof finden wie Twitter, Facebook & Co, doch mal vorbei- und reinzugucken. Wir sehen uns?

Konstantin Klein / Konstantin