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Wanderlust

Es ist wieder länger hell, Winter kann man das da draußen nicht wirklich nennen, und schon packt mich, von diesem Text von Kyle Piira beeinflusst, die Wanderlust. Und wer sich jetzt vorstellt, wie ich mit vollgepacktem Rucksack durch die Botanik schnüre, der (oder die) kennt mich schlecht.

Ein Zitat aus dem verlinkten Text:

I found myself to be a frog in a heating pot of water and I made the decision that I was going to jump out.

Gemeint mit dem Topf mit heißem Wasser ist das Googleverse, in das Piira noch viel inniger verwickelt war als ich noch vor einem dreiviertel Jahr. Und dann listet er die Alternativen auf, die er auf der Suche nach dem Weg raus aus dem Googleverse gefunden hat. Wer sich für die ziemlich lange Liste interessiert, kann sich über den Link da oben hinklicken.

Detox

Tscha. Und ich denke inzwischen über die Fortsetzung meines eigenen Google-Detox nach. Die einfachen Schritte waren einfach (ach was!) und sind deshalb längst erledigt:

Mail: unter der eigenen Domain, europäischer Anbieter
PIM (Kalender und Adressen): europäischer Anbieter
Dateien: europäischer Cloudanbieter mit europäischer Verschlüsselung (ganz aus der rechtsrheinischen Nachbarschaft)
Karten und Navigation: OpenStreetMap
ToDo-Liste: Microsoft To Do (oha!)
Messenger: Signal und Threema (eh scho wissn!)
Fotos: Google Photos (oha!!) und die europäische Cloud (s.o.)

Die oben verlinkte Liste ist weit länger, enthält auch Dinge, die in meinem Netz gar keine Rolle spielen (Ihr Besuch hier wird nicht von Google Analytics registriert, aber auch sonst - vom Server selbst mal abgesehen - von nichts und niemand). Aber schon meine eher kurze Liste lässt mich nachdenken…

Dass ich meine To-Do-Liste bei Microsoft führe, hat damit zu tun, dass MS vor Jahren die Berliner Firma 6Wunderkinder mitsamt ihrer To-Do-App Wunderlist gekauft und daraus eine eigene, für meine Zwecke ausreichende App gemacht hatte. Für brauchbare Alternativen bin ich jederzeit zu haben.

Auf Bildersuche

Das mit den Fotos ist schon bedenklicher, auch wenn der Google-Chef sich gerade öffentlich von automatischer Gesichtserkennung losgesagt hat. Die bei Google gespeicherten Bilder sagen auch ohne Gesichtserkennung mehr über mich aus, als ich möchte - wann ich wo war, zum Beispiel. Die Bilder sind alle zusätzlich in der europäischen Cloud gespeichert, aber dort erheblich umständlicher zu finden als bei Google Photos (und ja, auch das Artikelbild aus dem April 2009 habe ich schnell und komfortabel über Google Photos gefunden.).

Trotzdem habe ich den automatischen Upload zu Google Photos vorerst deaktiviert - wahrscheinlich mit dem Effekt, dass ich alle künftigen Bilder zwar gespeichert habe, aber nie mehr wiederfinde. Hmpft.

Auf dem Weg zur Selbständigkeit?

Was mich aber auch nachdenken lässt, ist das häufige Vorkommen des Wortes “Anbieter” in meiner kurzen Liste. Die Auswahl eines Anbieters ist ja nicht nur im Falle Google eine Frage des Vertrauens, und manchmal muss man auch feststellen, dass der Anbieter des eigenen Vertrauens eben dieses gar nicht verdient hat. Und schon denkt man darüber nach, die eigene Info-Infrastruktur selbst zu hosten - man ist schließlich selber groß!

Und genau an dem Punkt bin ich gerade. Server mieten und dort eine eigene Cloud aufbauen bedeutet Arbeit und Verantwortung - und immer noch, dass man dem Vermieter vertraut. Und zuhause einen eigenen Rechner ans Netz zu hängen, so dass er auch von außen zugänglich ist? Hmmm…

Ich weiß ja nicht.

Konstantin Klein / Konstantin