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Ungeschriebener Text

Hier - also hier, nee: da - liegt schon seit Wochen ein ungeschriebener Text herum, ein Text, in dem ich eigentlinx das Loblied eines unterschätzten Riesen singen wollte. Nuja: schreiben; das mit dem Singen ist so eine Sache bei mir.

Seinen Ursprung hatte dieser Text im Dezember 2003. Damals kam ich aus den USA nach Deutschland zurück und brauchte eine neue Mailadresse. Ahnungslos, wie ich war, legte ich einen Account bei GMX an - ein Account, der heute nachweislich der älteste Online-Account ist, den ich noch unterhalte - älter noch als meine GMail-Adresse, und erheblich älter als alles unter konstantinklein.com.

Aber warum “ahnungslos”? Nun, damals wusste ich nicht (wir hatten ja nix - doch, Google hatten wir schon), dass GMX es mit der Datensicherheit seiner Kunden nicht sonderlich ernst meinte (das taten andere damals aber auch nicht), dass es damals, sagen wir: zweifelhafte Praktiken bei der Gewinnung und Erhaltung von Bezahlaccounts an den Tag legte, dass es zwischendurch als Spamschleuder verschrien war, und dass es auf der nach unten offenen Uncool-Skala irgendwo zwischen Yahoo! und der Telekom lag.

Von GMX lernen…

All das wusste ich nicht, und deshalb legte ich einen Mailaccount an, den ich - neben GMail und allen möglichen anderen - bis heute ganz zufrieden nutze. Denn inzwischen hatte GMX gelernt, wie man einige Dinge ganz richtig macht:

  • Das mit Vertragskündigungen - notorisch umständlich bei GMX - ist inzwischen einfach geworden.
  • Das mit der Spamschleuder war vielleicht nie mehr als ein Gerücht - ich hatte jedenfalls nie Probleme. Und der Spamfilter von GMX hält jeden Vergleich mit dem von GMail aus.
  • Im August 2015 begann GMX eine Zusammenarbeit mit Mailvelope und bot PGP-Verschlüsselung für die Nichtfachleute unter uns an. Dass immer noch keine Sau™ PGP nutzen will, dafür kann GMX ja nix.
  • Vor zwei Jahren integrierte GMX eine angepasste Version von Cryptomator in seine damals noch “MediaCenter” genannte Cloud-Lösung für Privatkunden.
  • Und in diesem Sommer führte GMX spät, aber doch, die Zweifaktor-Authentifizierung ein.

Kombiniert mit - FWIW - bundesdeutschem Datenschutz ergab das ein Paket, das zumindest meinen Ansprüchen an hinreichende Sicherheit bei gleichzeitiger Rundumsorglosigkeit voll und ganz entsprach. Und weil ich dachte, dass das sehr einfache Hostingangebot mit Mail unter dem eigenen Domainnamen meinen Ansprüchen ebenfalls genügte, wanderten vor einigen Monaten auch diese Seiten auf einen GMX-Server.

Großer Fehler

Das war - sagte ich es schon? - ein großer Fehler, einerseits, weil das entsprechende Paket von GMX doch sehr auf Ahnungs- und Hilflose zugeschnitten war, andererseits aber vielleicht auch, weil Hosting eben nicht die Kernkompetenz von GMX ist, alle Verbindungen zum 1&1-Konzern hin oder her.

Weil die Einstellungsmöglichkeiten für Domain etc. mir dann doch ein wenig zu basic waren, beschloss ich, diesen Teil meines GMX-Imperiums wieder zu verlagern, und kündigte den entsprechenden Teil meines GMX-Accounts am Abend des 31. Oktober.

Aber: Halloween?

Genau. Am 1. November brach das Chaos aus. Ab Mittag waren diese Seiten vorübergehend nicht mehr erreichbar. “Vorübergehend” dauerte dann bis zum Nachmittag des 4. November, einerseits, weil am Wochenende offenbar keiner die Server überwacht, andererseits, weil GMX technischen Support nur telefonisch anbietet, aber nicht an Feiertagen (1. November) und am Wochenende (2. und 3. November). Meinen vergeblichen Versuch, Mailsupport zu erhalten, beantwortete irgendeine dumme Automatik mit einer Mail mit dem Betreff “Waren Sie mit unserem Support zufrieden?”. Nein.

Eigentlich hatte ich das Hosting-Päckchen erst zum Vertragsende gekündigt; nach diesem Ausfall beschloss ich aber, den Umzug ein wenig vorzuziehen. Das Verfahren ist das Übliche: Freigabecode für die Domain anfordern, neues, immer noch bescheidenes Paket anderswo buchen, Umzug einleiten, Inhalte in den neuen Account hochladen (danke, Hugo, für statische Seiten ohne Datenbankgefrickel!), abwarten, bis sich die geänderte Domainregistrierung im Netz herumgesprochen hat.

Das heißt: So war das bei früheren Umzügen gelaufen. Bis der DNS-Server Ihres Vertrauens die neue IP-Adresse geschnallt hat, bekommen Sie die Inhalte eben vom alten Server. Und wenn auf dem neuen Server alles richtig eingerichtet ist, merken Sie von dem Umzug gar nichts.

Nun ja. GMX handhabt das etwas anders. Innerhalb einer Stunde nach dem Umzugsantrag waren diese Seiten verschwunden, und die Mailadressen, die mit dieser Domain verknüpft sind, waren weg - Mail wurde gnadenlos zurückgeschickt.

Und? Schlimm?

Natürlich ist das nicht sonderlich schlimm. Gestern abend übernahm der neue Hoster nach ca. zwölf Stunden die Sache, und jetzt ist wieder alles in Ordnung. Weshalb Sie aber hoffentlich bis hierher mitgelesen haben: Eigentlich sollte dieser ungeschriebene Text (s.o.) ein überraschendes (?) Loblied auf einen unterschätzten Riesen (= GMX) werden. So ist es eben doch nur Gejammer über einen speed bump im Leben dieses Weblogs geworden.

Kommentar

MC Buhl schreibt (per Mail, weil es hier aus Hugo- und Datenschutzgründen keine automatische Kommentarfunktion gibt:)

das Fehlen einer Kommentarfunktion hatte ich ja ganz vergessen…

Aber diese Trouvaille wollte ich unbedingt teilen. Ich habe mal Sprache studiert, in diesem Rahmen auch übersetzen. Das zur Erklärung, weshalb ich Diskussionen wie im folgenden teilenswert finde.

https://dict.leo.org/forum/viewUnsolvedquery.php?idForum=2&idThread=1285169&lp=ende&lang=de

Und bitte weiter schreiben!

Aber sicher!

Konstantin Klein / Konstantin