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Über eine "ganz normale Partei"

(Foto: © Túrelio (via Wikimedia-Commons) / CC BY-SA 3.0 de)

Eine Google-Image-Suche nach dem Begriff “Vogelschiss” ergibt an diesem Abend ein Bild eines scheißenden Vogels auf Platz eins, Bilder von Alexander Gauland auf den Plätzen zwei und drei, ein Bild eines scheißenden Vogels auf Platz vier, Bilder von Alexander Gauland auf den Plätzen fünf und sechs…

Gut gemacht, Schicksal.

Seit die Gauland-Partei in Landesparlamenten sitzt, und erst recht seit ihrem Einzug in den Bundestag, geht die Diskussion darüber, wie man sie in den Medien behandeln soll. Es diskutieren Medienmacher, intern und in der Öffentlichkeit, und es diskutieren auch Medienkonsumenten, sprich: wir alle.

Die Frage lautete dabei zu Anfang: Darf man, soll man, muss man die AfD als “extremistische” Partei bezeichnen (die Anführungszeichen dienen hier dem Zitat, nicht der Bewertung), oder als “populistisch”, oder als “ausländerfeindlich”? Darf man das, weil es korrekt ist (was, zugegeben, eine Frage der persönlichen Einordnung ist)? Muss man das, um klarzumachen, mit wem wir es zu tun haben? Oder soll man das eher nicht, weil wir a) inzwischen wissen, wofür und vor allem wogegen die Partei steht und b) wir damit auch alle ihre Wähler in die entsprechende rechte, “rechtsextreme”, “populistische” Ecke stellen?

Die Armen. Sie wussten ja nicht, was sie da ankreuzten auf ihrem Wahlzettel.

Für ein Ende der Normalisierung

Was wir in der medialen Diskussion beobachten konnten, war und ist die Normalisierung der AfD. Zuerst verschwanden die Bezeichnungen “populistisch” und “extremistisch” - nicht, weil sie nicht gestimmt hätten, sondern weil sie einen substantiellen Teil der deutschen Wählerschaft, die AfD gewählt hatte, ohne extremistisch zu sein, mit abgewertet hätten, und weil “wir inzwischen wissen, dass die AfD eine populistische Partei” ist. Dann, und leider nicht erst dann, wurde in nahezu jede halbwegs politische Talkshow auch eine/r von der AfD eingeladen, und seit die AfD stärkste Oppositionspartei im Bundestag ist (danke dafür, SPD!), muss natürlich auch in jedem Bericht aus Berlin eine/r von der AfD auftauchen - weil es ja eine normale Partei im Bundestag, gar die stärkste der Opposition ist.

Der Medienkonsument K. wünscht sich spätestens nach Gaulands “Vogelschiss”-Rede, dass diese Normalisierung ein Ende findet. Ich glaube, es ist Zeit, nicht mehr so zu tun, als sei die AfD eine ganz normale Partei wie alle anderen im Bundestag und in den Landtagen. Ich glaube, es ist Zeit, uns bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern, dass führende Mitglieder dieser Partei den Schusswaffeneinsatz an der deutschen Grenze, auch gegen Frauen und Kinder, befürwortet haben (v. Storch), mißliebige Politiker “entsorgen” wollten (Gauland), einen Grundstein der bundesrepublikanischen politischen Kultur “dämliche Bewältigungspolitik” nannte (Höcke) und zwölf Jahre Naziherrschaft als “Vogelschiss” verharmloste (Gauland).

Das alles kann nicht oft genug erwähnt werden - als Erinnerung an die Schrecklichkeiten, die aus der AfD zu hören sind, und die eben nicht in halbherzigen Entschuldigungsformeln (“auf der Maus ausgerutscht” - sehr gut, v. Storch!), in der Aufregung über den nächsten Klopper oder einfach im allgemeinen Mediengetöse untergehen dürfen. Weil sie durchaus “so gemeint” waren, und weil sie, einmal gesagt, in der Öffentlichkeit sind - und in den Gehirnen derer, die dafür anfällig sind.