Zum Inhalt springen

Tschüss, Marlon, mein Katertier

Mit drei Jahren (oder so) kam ein mutiger, frecher, freundlicher Kater in mein Leben. Dreizehneinhalb Jahre später war es jetzt Zeit geworden, wieder Abschied zu nehmen von Marlon, meinem kleinen schwarzen Freund.

Fast all die Jahre hatten wir das Glück, parterre und mit Zugang zu einem Garten zu leben. Marlon war ständig unterwegs in seinem Revier, kloppte sich mit Nachbars Katern (und Katzen), und ich konnte bei seiner jeweiligen Rückkehr immer genau erkennen, wer gewonnen hatte. Wenn es mal der andere war, wollte Marlon, der an sich so Geschwätzige, nicht darüber reden (sondern erst einmal futtern - auch Schlägereien machen hungrig).

Angst schien Marlon nicht zu kennen - außer an Silvesterabenden und einmal, während eines tierischen Gewitters, als ich einen patschnassen, verängstigten Kater unter der Parkbank (der aus dem Artikelbild) hervorholen und ins Haus bringen musste.

Mit dem Fuchs, mit dem er vier Jahre das Revier teilte, hatte er ein kollegiales Verhältnis; man nickte sich auf dem Weg zur jeweiligen Arbeit zu (“Tach!” - “Tach!”) und ließ sich sonst gegenseitig in Ruhe.

Und wenn es mir in den letzten Jahren nicht gut ging, kam er zu mir, beschnurrte mich, stellte mit leiser Stimme Fragen und tat so, als wäre er mit meinen Antworten zufrieden.

Dass ich ihm im fortgeschrittenen Alter noch einmal einen Umzug und ein Leben als Wohnungskater zumutete, hat er mir hoffentlich nicht übelgenommen. Schließlich konnte er die neue Nachbarskatze vom Balkon aus reichlich und lautstark dissen - und tat das auch.

In den letzten Monaten alterte mein Katerfreund dann doch, kam etwas hüftsteif um die Ecke, und der immer schon zierliche Kater verlor an Gewicht. Als jetzt das eine Auge erblindete, das andere auch schon befallen war, und irgendwas im Kopf ihm offenbar große und dauerhafte Schmerzen bereitete, war es Zeit geworden.

Danke, kleiner schwarzer Kater, für die Zeit mit dir!