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Tschilp!!

Ein Katzenbild. Weil es geht™. Und weil nicht auszuschließen ist, dass der abgebildete ortsansässige Kater gerade ein klein’ Vögelchen verdaut - zuzutrauen wäre es ihm. Womit wir beim Thema wären:

@KiWi_Verlag ist traurig (Tweet bzw. Thread wie immer verlinkt und zitiert, aber nicht eingebettet, damit Sie sich auf dieser Seite nicht noch einen Twitter-Tracker einfangen):

Seit 23 Tagen ist der Twitter-Account unseres Autors Tom Hillenbrand gesperrt wg. eines satirischen Tweets zur Europawahl. Widerspruch und Abmahnung blieben unbeantwortet, der Account gesperrt. In einer nichtöffentlichen Sitzung d Digitalausschusses des Bundestags am 15.05.19 bezog eine Vertreterin von Twitter Stellung zu den zahlreichen fragwürdigen Löschungen von Accounts. Die SPD-Politikerin Saskia Esken fasste die Anhörung zusammen: “Es fehlt an Transparenz u ganz offensichtlich an einem gut entwickelten Begriff von Meinungsfreiheit”. Wir unterstützen Tom Hillenbrand darin, gerichtlich gegen die Sperrung vorzugehen u hoffen, dass d willkürliche Stummschaltung unseres Autors durch Twitter bald ein Ende hat. #twittersperrt #Meinungsfreiheit

Widerspruch? OK. Abmahnung? Abmahnung?? “Wenn Sie nicht sofort meinen teuer bezahlten Gratisaccount wieder freischalten, dann… dann… dann weiß ich ja auch nicht”?

Wäre ich nicht so ein wohlerzogener Mensch, läge mir jetzt ein kräftiges “Heult doch!” auf denselben. Klar, das ist schon extrem doof, dass bei Twitter (und anderen Plattformen) ebenso blödsinnige wie undurchschaubare Regeln zur Verhinderung von (u.a.) Wahlmanipulation in Kraft sind, die von ebenso unterbezahlten wie -qualifizierten Menschen umgesetzt werden - wenn überhaupt ein Mensch in den Vorgang eingebunden ist.

Es ist aber umso dööfer (doofer?), wenn der betroffene Mensch und sein Verlag sich darauf verlassen, seine bzw. ihre gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit über einen Gratisaccount bei einem einflussreichen und mächtigen, weil weit genutzten Privatunternehmens zu betreiben.

Eine kleine Peinlichkeit

Und es ist - pardon - ein klein wenig peinlich, die Affäre zu einer Frage der #meinungsfreiheit hochzusterilisieren (L. Matthäus, wenn ich mich nicht völlig irre) - ungefähr genauso peinlich, wie wenn andere Betroffene in ähnlichen Fällen gleich “Zensur!” schreien.

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

… heißt es in Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetzes. Und damit ist klar: Die Meinungsfreiheit ist in diesem unseren Lande staatlich garantiert; staatliche Einschränkungen sind nicht erlaubt. Über Einschränkungen durch privatwirtschaftlich organisierte und operierende Einrichtungen steht da aber nix.

Die so garantierte Meinungsfreiheit gilt selbstverständlich auch für die privatwirtschaftlichen Massenmedien selbst; unter diesen Begriff, denke ich, haben wir inzwischen auch die Social Media-Plattformen zu fassen.

Was durch die Meinungsfreiheit aber nirgendwo garantiert ist, ist die Meinungsvielfalt innerhalb eines Mediums; jeder, der die Bildzeitung, die FAZ oder auch die Jungle World mit offenen Augen liest, weiß das. Diese Medien unterliegen, wenn ich mich recht an mein Studium irgendwann im letzten Jahrtausend erinnere, dem Tendenzschutz.

Der steile Teil meiner These

Nun unterstelle ich den Demokratiewächtern von Twitter, Facebook & Co. (wer lacht da?) nicht, dass sie eine inhaltliche Tendenzvorgabe haben oder gar durchsetzen wollen. Was für FAZ und Jungle World die schützenswerte politische Ausrichtung ist, ist für Social Media (und auch für die Bildzeitung) einfach Reichweite, Klicks, Einnahmen. Die Bildzeitung schafft es noch, das Ziel der Reichweite mit einer inhaltlichen Ausrichtung zu verbinden; Social Media machen das nicht. Sie versuchen, nur weil sie dazu über den Umweg des öffentlichen Images gezwungen werden, politische Ausreißer in den Extremismus zu verhindern - und machen dabei reihenweise Fehler. Wie auch in dem oben zitierten Fall, der mich zu diesem nur mäßig reflektierten Text angeregt hat.

Zugegeben: Das Problem ist einerseits, dass Twitter, Facebook & Co. die Kontrolle über ihren wassertragenden Besen längst entglitten ist - wenn sie sie jemals hatten. Das Problem ist aber andererseits, dass medial aktive Menschen, Unternehmen und Institutionen sich zunehmend oder sogar ausschließlich auf die Werkzeuge verlassen, die uns die Social Media zur Verfügung stellen.

Die Vorteile sind klar: Die Tools stehen allen gratis und leicht zugänglich zur Verfügung. Und das Publikum, dass man sich auf eigenen Plattformen vom Buch bis zum Weblog mühsam erarbeiten muss und niemals in dem Umfang erreichen wird, wird einem nahezu frei Haus geliefert.

Dagegen stehen die Nachteile: Wer Social Media so nutzt, dass ein einfacher Fehler wie die automatische Sperre eines Accounts gewaltig ins Kontor haut, hat halt nur bedingten Anspruch darauf, dass der Gratisservice auch fehlerfrei läuft. You get what you pay for, gelle?

Womit ich einerseits am Ende dieses Textes, andererseits aber auch bei einer Antwort auf meine gestrige Fragestellung wäre. Wer gehört und gelesen werden will, sollte sich eben nicht auf nur eine (Fremd-)Plattform verlassen (was der gesperrte Autor auch gar nicht tut - er schreibt einerseits Bücher, hat aber auch ein eigenes Weblog, das hier gerne nochmal verlinkt werden soll).

Es bleibt also dabei: Die eigene Plattform ist, auch wenn sie eher wenig besucht wird, wichtiger - weil zuverlässiger und besser kontrollierbar - als alle Social-Media-Aktivitäten. Und dieses Weblog wird wohl (oder übel) weiterleben. Hurra!

Konstantin Klein / Konstantin