Erfreuter Minilöwe

Saberdisösel kann jeder…

…vorausgesetzt, er (oder sie) hat ein iPhone. Aber zurück zum Anfang der Geschichte. Habe ich doch gestern morgen mal wieder intensiver in dieses Dings namens Twitter reingeguckt – und auch gleich wieder raus, weil Friedrich Merz, Friedrich Merz, Armin Lasch, irgendson Norbert, Friedrich Merz und – Mann!!

Gibt mir bitte jemand Bescheid, wenn der #cdubpt21 vorbei ist, damit ich dann Twitter wieder einschalten kann? Danke.

@konstantinklein

Heute morgen dann: zweiter Versuch des Wochenendes. Und alle (naja, fast alle) reden/schreiben über etwas namens #clubhouse.

Ich mache das seit drölfzig Jahren mit den neuen Plattformen, und es läuft immer gleich: 1. Wie geil ist das denn! 2. Wow! Promi X hat mich angedingst! 3. Hallo, Du auch hier? Du auch? 4. Boa! Wer hat denn die Spammer und Trolle hier reingelassen? 5. Na, toll! Alles voller Nazis!

@sixtus

Aha. Clubhouse ist also ein Neuzugang im Social-Media-Geschäft, so neu, dass es in der deutschen Wikipedia noch nicht einmal einen Eintrag dafür gibt (Stand 19:19); die englischsprachige Wikipedia ist da schon weiter. Und Clubhouse ist bisher nur für iOS-Geräte verfügbar, also Geräte, die sich bisher vor allem dadurch auszeichnen, dass man kleinen Hauslöwen ein freundlicheres Gesicht verpassen kann (siehe Artikelbild).

Clubhouse ist aber nicht nur auf iGeräte beschränkt, sondern erlaubt Neuzugänge nur via Einladung. Das scheint, der Menge der Tweets heute nach zu schließen, nun nicht sooo exklusiv zu sein. Trotzdem: Künstliche Exklusivität durch Verknappung ist nicht neu – das kann einer (= ich!) bestätigen, der 2005 seinen GMail-Account noch auf Einladung bekommen hat (und vier Jahre später auch seinen Google-Wave-Account, was aber auf Dauer nichts gebracht hat). Mehr dazu, wie und wie gut das in diesem Fall funktioniert, schreibt Dirk von Gehlen – und wie man an eine Einladung kommt, steht hier (Service-Link). Via Telegram, was der Autor dieser Zeilen aus anderen Gründen (No. 5 im oben zitierten Tweet von Mario Sixtus) ablehnt…

Dabei bin ich – Überraschung! – nicht einmal sauer, dass Krethi & Plethi offenbar da schon mitspielen dürfen, ich aber nicht. Und warum? Weil Clubhouse nach allem, was ich lese, sprach-, nicht textbasiert ist. Leute reden miteinander, einfach so. Podcasts mit Mitreden. Twitter mit Sprachnachrichten. Saberdisösel im virtuellen Raum.

Nun habe ich mich gerade eben in einem Nebensatz darüber ausgelassen, wie doof ich Sprachnachrichten finde – verglichen mit entweder Textnachrichten oder eben einem ganz normalen (Telefon-) Gespräch. Und jetzt gibt es eine Plattform, die genau das ermöglicht – und ich finde es wieder doof?

Hat vielleicht damit zu tun, dass ich in den inzwischen zehn Monaten im heimischen Office Videokonferenzen zu schätzen gelernt habe (weil man da auch andere Leute sieht als den DHL-Fahrer, den Nachbarn und den Kater), Telefonkonferenzen – also ViKos ohne Vi – dagegen immer noch furchtbar nervig finde.

Mal sehen, ob mich jemand vom Gegenteil überzeugen kann und will. In den Kommentaren, nicht mit einer Einladung.

Nachtrag: Nur Stunden später schlägt in meiner Inbox eine Einladung ein – nicht zu Clubhouse, sondern zu Vero, einer Social Media-Plattform, bei der ich mich vor langer Zeit mal auf die Warteliste habe setzen lassen. Warum (ich auf die Warteliste wollte), weiß ich gar nicht mehr. Aber vielleicht finde ich ja die Zeit, mir das näher anzugucken.

Zweiter Nachtrag: Was man ohne Einladung (und ohne Interesse) gar nicht erst mitbekommt, hat Dennis Horn beim WDR zusammengeschrieben. Das Kleingedruckte sei „außergewöhnlich und problematisch“.