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La Lotta Continua

La lotta continua (ital.): Der Kampf geht weiter. Bezieht sich unter anderem auf die italienische APO-Gruppe Lotta Continua aus meiner Jugendzeit und ihre gleichnamige Wochenzeitung, aber auch auf das, was zwischen deutschen Medienhäusern und z. B. mir als durchschnittlichem Durchschnittsnutzer so abgeht.

Aktuelles Beweisstück von der Seite von SParGEL ONLINE, im Artikelbild festgehalten (und blutrot eingefärbt, der Dramatik wegen): die mit Abscheu und Empörung von mir zu weisende Unterstellung, ich würde einen Adblocker benutzen (nichts läge mir ferner, kicher!). Dabei ist die Unterstellung erkennbar falsch, denn im Hintergrund verspricht mir eine offensichtlich nicht geblockte Anzeige die Antwort auf die Frage “Wie viel ist Ihr Haus wert?” (Antwort: nichts, mangels Haus), und hinter der Anklage des SParGEL, ich würde Adblocker benutzen, verbirgt sich noch Werbung für die allseits gut nachgefragten Treppenlifte.

Wie Firefox-Kenner mit einem Blick in die rechte obere Ecke des Screenshots vielleicht nicht ganz mühelos, aber doch erkennen können: Mein Firefox ist tatsächlich ohne ein einziges aktiviertes Add-on unterwegs; ein Adblocker ist demnach also nicht aktiv, wohl aber Firefox, den ich angewiesen habe, Tracking so weit wie möglich zu unterbinden.

Für den SParGEL ist also das Tracking genauso wichtig wie das Anzeigen von Anzeigen (hö, hö!), die ich im Zweifelsfall ohnehin nicht anklicke. Das überrascht mich jetzt nicht wirklich, zeigt aber, dass der SParGEL auch serienmäßig eingebaute Browserfunktionen inzwischen als böse ansieht. Immerhin: Die Erkennung nicht vorhandener Adblocker geht nicht so weit, dass ich die Seite nicht durch einen Klick auf “Weiter mit Adblocker” doch noch zu sehen bekomme - auch wenn ich damit die Unwahrheit klicke, denn es geht eben nicht “weiter mit Adblocker”.

Eine Empfehlung oder zwei

Mit den obenstehenden vier Absätzen habe ich übrigens eine Empfehlung ausgesprochen, der Sie nicht folgen müssen, aber vielleicht wollen. Gucken Sie sich doch in den Einstellungen Ihres Browsers mal an, wie er Sie vor Verfolgung durch Trackingscripte, Cookies und so schützt. Wenn Ihr Browser ein Chrome ist, werden Sie da nicht so viel finden - schließlich hat Chrome-Hersteller Google ein gewisses Interesse am fortgesetzten Funktionieren der Online-Werbung, wie sie ist, wie wir sie kennen und nicht wirklich schätzen gelernt haben.

Und wenn Ihr Browser ein Chrome ist und Sie den Schutz vor Tracking unzureichend finden, dann probieren Sie doch eine Alternative wie (den ebenfalls auf Chrome basierenden, aber in dieser Hinsicht sehr anders funktionierenden) Brave-Browser - oder eben gleich Firefox, der in den letzten Jahren entschiedene Schritte hin zu einem nutzerfreundlichen Browser gemacht hat.

Und wenn Sie sich tatsächlich für den Firefox entschieden haben, müssen Sie unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit den “verbesserten Schutz vor Aktivitätenverfolgung” nur von “Standard” auf “Streng” ändern, um sich den Zorn des SParGEL zuzuziehen. Und das ist es doch wert, nicht?

Nachtrag: Ich habe mir auch den Zorn des Süddeutschen Verlages zugezogen: Auch dort hält man den Firefox für einen Adblocker - und der Angeklagte Leser kann den Zorn nicht einfach so wegklicken, wie es der SParGEL erlaubt. Zum Glück bin ich (noch) SZ-Abonnent und registrierter User und darf als solcher auch mit einem nicht-existierenden Adblocker weiterlesen.

Konstantin Klein / Konstantin