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Kleinbloggersdorf revisited

Schon klar, warum damals, zu Beginn des Jahrtausends, lange vor dem Ausbruch der Influencer-Influenza, die deutschsprachige Blogosphäre als “Kleinbloggersdorf” bekannt bzw. eben nicht bekannt war. Man kannte einander, Neuzugezogene wurden “aufs allerschärfste” begrüßt, und man lief sich ständig irgendwo über den Weg.

Das ist heute nicht anders. Am Nachmittag las ich beim Nachbarn aus Neukölln einen interessanten Hinweis auf eine Serie, die Armin Hanisch über Markdown, Hugo & Co. schreibe - also genau die Dinge, mit denen ich mich hier auch beschäftige. Das war so gegen zwei. Um fünf Minuten vor vier schlug eine Mail in meiner Mailbox auf - von eben diesem Armin Hanisch, der sich als Hugo-Verwender herausstellte und mich auf das allerschärfste in Hugoville, dem noch vergleichsweise neuen Ortsteil von Bloggersdorf, begrüßte:

Ich betreibe mein Blog schon länger mit Hugo und habe im Netz das Eine oder Andere gefunden, dass vielleicht nützlich ist. So habe ich das Thema Zuordnung von Kommentaren zu einzelnen Artikeln gelöst und auch eine Möglichkeit für eine datensparsame, lokale Volltextsuche gefunden. Falls Sie also Interesse an einem Austausch haben, ist das das Mindeste, was ich jemanden aus dem DW-Team zurück geben kann (war ein paar Mal länger in Jordanien, da war das meine Leitung in die Heimat <g>)

Allein dafür sollen die ersten beiden Artikel aus seiner Serie nicht nur gelesen, sondern hier auch verlinkt sein:

Alles wie früher

Es ist im Grunde wie früher. Vor 15 oder 18 Jahren ging es um selbstgebastelte Layouts - ein Luxus, den sich heute kaum noch jemand leistet - und die Frage, welches Blogsystem das richtige sei, aber immer auch wieder um den Themenkomplex des self publishing im Netz, die Chancen, die das Netz und das eigene Blog für Meinungsfreiheit, Demokratie und ein besseres Zusammenleben böten.

“Böten”, im Konjunktiv - denn was aus den Blogs, den strahlenden Aussichten und der Demokratie wurde, als die Social-Media-Startups zu Social-Media-Konzernen wurden und die Meinungsbildung mehr oder weniger übernahmen, das wissen wir.

Oder, wie es der Schockwellenreiter a.a.O. formuliert:

Die Diskussion um die EU-DSGVO hat unter anderem auch die Frage stärker angeregt, wie wir kleinen, unabhängigen und meist privaten Seitenbetreiber uns das Netz zurückerobern und uns aus den Klauen der Datenkraken wieder befreien können. (Nicht nur) meiner Meinung nach geht das nur mit statischen Seiten, verbunden mit einer größtmöglichen Unabhängigkeit von den Hostern.

Na sowas. Da glaubt man, sich mit ein wenig Gebastel eine Seite zusammenzubauen, die (vor allem mir selbst) zeigt, dass man seine Leser nicht zwangsweise ausspionieren muss, und schon ist man Teil einer Welle.

Eine kleine Welle

Nun ja, einer kleinen Welle. Das findet aber auch Ralf G. aus K., der - ebenfalls anlässlich der Hanisch-Serie - schreibt:

Grundsätzlich finde ich es natürlich hervorragend, dass durch DSGVO, die »Datenkonzerne« und dem modischen Trend zu statischen Generatoren das Bloggen auf dem eigenen digitalen Grundstück wieder einen zarten Aufschwung nimmt.

Fürs Protokoll: Der Uninform.at, wo diese Worte stehen, besteht, ebenso wie die Blogs der anderen hier Zitierten, aus statischen Seiten, in diesem Fall aber nicht von Hugo oder RubyFrontier erzeugt, sondern von Jekyll - einem Seitengenerator, mit dem ich auf der Suche nach “meiner” Wordpress-Alternative aber so gar nicht zurechtgekommen bin. Vielleicht hätte ich einfach fragen sollen. Wie man das in einem kleinen Dorf eben macht.

Kommentar

Auch hierzu kommentiert Robert:

ich habe gerade deinen Kleinbloggersdorf revisited Artikel gelesen und finde es schön, wie alles wieder in Fahrt kommt. ich hatte schon die Panik, dass das Konzept der deutschsprachige Blogosphäre irgendwann zu Grabe getragen wird.

Och, das glaube ich noch nicht einmal. Aber ein bisschen Anschub könnte die Sache schon gebrauchen - und nicht eine Welle von Blogschließungen, wie wir sie um dem 25. Mai herum erlebt haben.