K[journ]

Konstantin Klein

Irgendwie doch ein Blog. Oder so.

4 Minuten

Auf meine Erinnerungen an die Steinzeit hin meldete sich Georg K. aus uralten Berliner Zeiten mit seinen Erinnerungen, die meinen in dieser Hinsicht verblüffend ähnlich sind. Nur den Verdacht, irgendwann im letzten Jahrtausend auch auf Geocities (die Originaldomain ist nicht mehr erreichbar) präsent gewesen zu sein, den werde ich jetzt wohl nicht mehr los.

…schrieb ich meine Seiten tatsächlich bis zum Jahr 2001 selbst in holprigem HTML, also bis zu der Zeit, als das Weblog die Hompepage abgelöst hatte und ich erste Versuche mit Blogsoftware anstellte

…schrieb ich da also vor einer Woche, und das war, wenn schon nicht gelogen, so doch ein wenig ungenau. Denn, Kinder, als das Jahrtausend noch jung war (hust!), legten die paar Hanseln, die sich damals noch mit ein wenig Stolz “Blogger” nannten, großen Wert darauf, nicht nur den Inhalt dieser “Internettagebücher”, wie es die Internetnichtversteher nannten, selbst zu erstellen, sondern auch das Erscheinungsbild - und das ging eben nur mit home-made HTML. Zum Teil war das absolut nötig (meine erste Blogsoftware war in der Hinsicht gar keine, sondern bot nur in ein selbst mitzubringendes Layout einbettbare wechselnde Inhalte an), zum Teil die einzige Möglichkeit, ein wenig Persönlichkeit in die Sache zu bringen, weil es fertige Themes damals kaum oder gar nicht gab und die Option der Individualität durch Zusammenklicken noch in weiter Ferne lag.

Bekenntnisse eines Faultieres

In den Blogsystemen der frühen Jahre (bei mir waren das das längst vergessene phpWeblog, die nahezu ebenso verschollene pMachine und das immer noch existierende MovableType - mehr dazu am bereits verlinkten Ort) war das auch noch sehr einfach. Es gab eine oder mehrere Seitentemplates aus reinem HTML mit PHP- oder (im Falle von MovableType) Perl-Einsprengseln, die für den dynamischen Teil der Seiten sorgten. Und solange man die Einsprengsel in Frieden ließ, konnte man drumherum seine eigene Seite komplett in Holper-HTML schreiben. Das tat man (also zumindest ich) dann auch und präsentierte stolz alle paar Monate ein neues Erscheinungsbild des eigenen Blogs, worauf unweigerlich die Kommentare kamen, in denen man auf Fehler und Unsauberkeiten im Seitenquellcode hingewiesen wurde.

Mit der weiteren Entwicklung von Blogware wurde das ein wenig anders. Wer ein WordPress-Theme bearbeiten oder gar selbst neu erstellen wollte, lernte schnell, dass es mit einer Seitenvorlage längst nicht mehr getan war - u.a., weil die unterschiedlichen Seitentypen auch unterschiedliche Strukturen haben sollten. Das war mit den ganzen Seiten der frühen Jahre zwar auch machbar, bedeutete aber, dass man den Header, die Fußzeilen, eben alles, was auf mehr als einer Seite vorkam, entsprechend kopieren und beim Bearbeiten auch an allen vorkommenden Stellen nachziehen musste. Weshalb WordPress-Themes sich in zum Teil erschreckend viele Module zerlegten - mit erschreckend vielen Möglichkeiten, mit einem Fehler in einem Modul gleich die nächsten paar darauf folgenden Module mit in den Orkus zu reißen.

Für diese Fieselarbeit war ich, zugegeben, schlicht zu faul, konzentrierte mich dagegen lieber darauf, das jeweils verwendete Theme funktionell aufzubohren. Das erforderte Kenntnisse in PHP (check!) und in WordPress-Shortcodes (dafür gab und gibt es Dokumentationen!), und es erfordert jetzt, im Fall der vorliegenden Seiten, Kenntnisse in Go (checkmate - die habe ich nun wirklich nicht. Aber ich werde sie mir erarbeiten - wartet nur ab!).

Was aber all den Basteleien von 2000 bis heute gemeinsam ist: Das gute alte HTML sollte man doch in einer aktuellen Version beherrschen - oder sich auf komplett fremdgehostete Plattformen verziehen häuslich einrichten.

Die Sache mit dem Archiv

Und dann schrieb mir der oben bereits erwähnte Georg K. noch:

Aktuell genieße ich grade das Regenwetter als Ausrede (als ob ich die bräuchte) um Zeit in der Wayback Machine zu verbringen, leider in Sachen Geocities mit mässigem Erfolg […] Aber in meinen ersten Webseiten hab ich schon interessante Links wieder entdeckt, eine wunderbare Zeitverschwendung.

Exakt. Wunderbar und Zeitverschwendung, diese WayBack Machine - aber leider nötig, wenn man die eigenen Spuren in der Netzvergangenheit so sinnlos sinnvoll gesichert hat wie z.B. ich.

Zwar habe ich von jedem größeren Abschnitt in der Vorgeschichte dieser Seiten Sicherungen angelegt, aber…

  • die frühesten Spuren auf Zip Drives, die ich dann wegschmeißen konnte, als das Laufwerk hin war und es längst keinen Ersatz mehr gab (und auch die Zip Disks waren längst nicht so haltbar, wie die Werbung es versprach)
  • die nächsten paar Sicherungen dann in den unterschiedlichsten, meist nicht sehr brauchbaren Formaten auf CD-ROM - die könnte ich wohl noch auslesen, wenn ich sie noch hätte, die CDs. Leider sind sie alle in dem einen oder anderen turbulenten Umzug verschütt gegangen
  • und schließlich in WordPress-Exportdateien. Die habe ich alle noch auf dem einen oder anderen USB-Stick…

…aber die Blicke in die WayBack Machine zeigen mir: Man muss auch lassen können. Besser ist das.

Ihre Meinung dazu?

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