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Google und der ganze Rest

Das Wort “Datenkrake” habe ich schon immer für reichlich doof gehalten. Es tut den echten Kraken unrecht, die da im Meer herumschwimmen, aber auch den Konzernen, die damit gerne in ein maritimes sinistres Licht gerückt werden sollen. Denn das, was die Datensammler (womit wir wiederum Gefahr laufen, allen Sammlern, von Briefmarken- bis Leergut-, unrecht zu tun) so machen, ähnelt eher der Art, wie Blau- oder andere Bartenwale zu ihrem Futter kommen: Sie lassen das Ozeanwasser durch die Barten strömen und filtern so das Plankton heraus. Die Wale. Google & Co. filtern lieber den Datenstrom.

Aber “Datenwal” klingt nun mal nicht so eklig wie “Datenkrake”, und so bleibt uns diese doofe Bezeichnung eben erhalten.

Weg von den Datenwalen

Dass ich das Wort doof finde, bedeutet aber nicht, dass ich die Datensammelei der angeblichen Kraken nicht ernst nähme. Und so habe ich in den letzten Jahren versucht, mein Netzleben privat wie beruflich entsprechend einzurichten.

Gar nicht mal so einfach, wenn man ein iPhone und ein iPad von Apple sowie einen Desktop- und einen Klapprechner mit dem Betriebssystem Windows 10 hat… Beide Betriebssysteme, iOS und Windows 10, haben die unangenehme Eigenschaft, bei jeder Gelegenheit nach Hause telefonieren zu wollen - nur im Dienste der Wahrheitsfindung des reibungslosen Betriebs und im Interesse des Kunden, versteht sich. Nun lässt sich diese Datenübertragung in beiden Betriebssystemen steuern, aber mal ehrlich: Sind Sie sicher, dass Sie alle Datenschutzoptionen gefunden und nach Wunsch eingestellt haben im Dickicht der Einstellungsmenus? Eben.

Dann zur installierten Software jenseits der Betriebssysteme: Sowohl Google Chrome wie auch Microsoft Edge stehen immer wieder im Verdacht, mehr Daten zu sammeln und weiterzugeben, als gut ist. Zum Glück gibt es immer noch Firefox, der in der aktuellen Quantum-Version nicht mehr so eine Schnecke ist wie früher.

Dass ich über Safari nicht stänkere, liegt übrigens daran, dass der Applebrowser auf iOS-Geräten einfach nicht zu umgehen ist. Selbst, wo in iOS Firefox (oder Chrome) draufsteht, ist Safari drin - und Vertrauen in Apple erforderlich.

Womit wir schon am Übergang zwischen installierter Software und Diensten im Netz wären. Facebook, WhatsApp und Instagram sind schon vor Monaten ersatzlos von allen meinen Geräten und aus meinem Leben geflogen. Und niemand hat etwas vermisst - ich nicht die Dienste, und alle bei Facebook und WhatsApp offenbar mich auch nicht.

Mist.

Ein Leben ohne WhatsApp

Kein WhatsApp? Geht das denn? Doch, das geht, wenn auch auf verschiedenen Plattformen: Signal, Threema, innerhalb der iOS-Welt sogar iMessage (wg. Vertrauen in Apple verweise ich auf den vorletzten Absatz). Mit viel Geduld habe ich die wichtigsten Menschen in meinem Leben von WhatsApp weggelotst. Telegram dagegen - Achtung, Telegram-User! - steht kurz vor dem Rauswurf; wer seinen Traffic so schlecht unter Kontrolle hat, dass er stundenlang über iranische Server umgeleitet wurde, hat vielleicht noch ein paar Hausaufgaben zu machen.

Und sonst so…

Für die Suche im Netz habe ich DuckDuckGo statt Google, fürs Zurechtfinden in der Welt Apple Maps statt Google Maps (wg. Vertrauen in Apple: s.o.), fürs Bescheidwissen weder Google News noch Microsoft News noch… (gibt’s von Apple überhaupt sowas?), sondern meinen treuen Feedreader - und ein ausgewachsenes Redaktionssystem, wenn ich im Büro bin.

Meine Mail läuft über einen kleinen Anbieter in Deutschland - alle anderen Adressen, die Menschen möglicherweise noch in ihren Kontaktlisten haben, werden dorthin umgeleitet. Wenn Sie dem Frieden nicht trauen und eine Mail an mich verschlüsseln wollen: Mein PGP-Schlüssel ist hier.

Und meine in der Cloud gespeicherten Daten werden, soweit nötig, mit Boxcryptor (kommerziell) oder mit PGP (nicht kommerziell) verschlüsselt.

Also alles paletti?

Das ist eben die Frage. Mit all den Vorkehrungen ist leicht sicher(er) fühlen, und ein wenig wichtig machen kann man sich im Freundeskreis immer (“Was, Du bist immer noch bei Instagram?”).

Aber letztlich hängt viel von dem Vertrauen ab, das man dem unsichtbaren Gegenüber im Netz entgegenbringen muss, angefangen bei Apple, Microsoft oder Google, längst nicht zu Ende bei der Frage, ob der Dienst des eigenen Vertrauens die Daten nicht doch bei Amazon zwischenlagert, und letztendlich bei Dingen, die der eigenen Kontrolle entzogen sind und bleiben - denn was nützt mir der Verzicht auf die schicke Technik von GMail, wenn die Kopie meiner Mails im Klartext in der Mailbox eines Korrespondenten liegen, den ich zwar noch von WhatsApp zu Signal quatschen konnte, aber nie im Leben weg von GMail?

Datensicherheit ist relativ. Na super.