K[journ]

Konstantin Klein

Irgendwie doch ein Blog. Oder so.

4 Minuten

Seid mal ruhig, Kinder, Opa erzählt vom Krieg von den frühen Tagen im Netz! Es ist nämlich durchaus nicht so, dass an dieser Stelle erst, wie vom Copyright-Vermerk kackfrech behauptet, seit 2018 ein Blog stattfindet. Der Autor dieser Seiten bloggt - mit Unterbrechungen - schon seit Halloween 2000, und eine kurze Recherche in der WayBackMachine nach meinen ältesten dort vorhandenen Blogeinträgen unter der damals genutzten Domain zeigt mir und jedem anderen, dass es zwar eine kulturhistorische Schande sein kann, aber manchmal doch eine ganz gute Idee ist, alte Blogeinträge nicht in neuere Inkarnationen des Blogs mitzunehmen.

Meine ersten, zum Glück (!) nicht mehr auffindbaren (?) Spuren im Netz gehen aber noch ein paar Jahre weiter zurück. Im Jahr 1994 oder so hatte ich drei Zugänge zu dem, was z.T. schon das Netz war, zum Teil aber erst noch werden sollte:

  • einen von 1&1 (die gab’s damals schon!) vermarkteten Zugang zu Datex-J, weil das, so hatte man mir gesagt, der neue heiße Scheiss sei,
  • einen Account bei Compuserve, weil die Disketten mit der Compuserve-Software dem 1&1-Paket beilagen, mitsamt meiner allerersten Mailadresse, die, wenn ich mich recht erinnere, 100140.2267 [at] compuserve.com lautete,
  • und einen AOL-Zugang, weil Compuserve zwar das GIF (mit-) entwickelt hatte, aber offensichtlich vergessen hatte, der Fa. Netscape Bescheid zu sagen, weshalb der damals einzig brauchbare Browser Netscape Navigator GIFs nur wie einen schlechten LSD-Trip darstellen konnte, die AOL-Software dagegen halbwegs erkennbare, wenn auch gerasterte (??) Bilder anzeigte.

Einer der beiden, Compuserve oder AOL (hab vergessen, welcher es war), bot damals schon an, eigene Seiten ins Netz zu stellen - durchaus nicht mit eigener Domain (ha!), sondern mit einem langen, vermurksten Dateipfad, aber immerhin.

Und so bestand meine erste Webpräsenz aus drei Seiten, gelbe Schrift auf dunkelblauen, dunkelgrünem und dunkelrotem Grund, viel Text und wenig Inhalt (und keine GIFs!), drei Seiten im Grunde auch nur, damit ich sie untereinander verlinken und mich wie ein Kind freuen konnte, wenn ein Klick auf einen Link tatsächlich die andere Seite aufrief.

Bin ich froh, dass es diese Seiten nur noch in meinem Langzeitgedächtnis gibt (von wo sie in einer schlafarmen Nacht vor ein paar Tagen wieder auftauchten, weshalb ich das hier überhaupt aufschreibe)!

Hompe…?

Das Ganze wurde damals als “eigene Homepage im World Wide Web” beworben und von vielen Nutzern als “Hompepage” realisiert, wenn man den -zigtausenden Treffern in frühen Suchmaschinen Glauben schenkte. Der Begriff hat es übrigens bis in die 2010er Jahre geschafft, wie diese Seite beweist. Und was heißt überhaupt “Mädchenprogramm”??

Weitere Schritte mit eigenen Seiten fanden dann in den USA mit einer Sache namens “WebTV” statt, was 1997 nichts mit Internetfernsehen zu tun hatte, sondern ein Versuch - ich glaube der Fa. Sony - war, auch Menschen ohne eigenen Computer Zugang zum Netz zu verschaffen, über den hauseigenen Fernseher und eine Settop-Box mit eingebautem Modem nämlich. Auch dort konnte man sich eine “Hompepage”, gerne auch “Hompage” genannt, anlegen, und wem das simple zusammengeklickte Layout nicht reichte, für den gab es auch einen Grundkurs HTML.

Es folgte der Versuch, mit einer im Nachhinein betrachtet durchaus erfolgversprechenden Idee, aber ohne jegliches Startkapital, ohne Vernetzung und ohne übergroßen Fleiß ein frühes Startup zu verankern. Offenbar hatte ich es so gründlich verankert, dass es sich keinen Inch vom Boden rührte; immerhin habe ich die dafür registrierte Domain bis 2003 als meine Maildomain benutzt. Und nach einer kurzen Phase mit WYSIWYG-Software aus dem Hause Microsoft (grusel!) schrieb ich meine Seiten tatsächlich bis zum Jahr 2001 selbst in holprigem HTML, also bis zu der Zeit, als das Weblog die Hompepage abgelöst hatte und ich erste Versuche mit Blogsoftware anstellte. Der Rest ist, wie der Mensch so sagt, Geschichte.

Kommentare

Yep. Fühle mich verstanden.

Eine Woche später schrieb mir dann Georg K., wie ich ein Ex-Berliner, heute aber in Hamburg:

Ich schließe mich Deinen Erinnerungen in Wehmut an, allerdngs ohne AOL, das hatte ich nie, glaube ich. Aber Datex-J und Compuserve. 100340.1365, hab ich da im Kopf (eigentlich gibts ja wichtigere Sachen zum Erinnern) Compuserve hatte ich sogar schon auf dem Atari ST, als reine Textanwendung.. der erste, zaghafte und ungläubige Schritt in die weite Welt….. aber das mit den Homepages … war das nicht Geocities?

Nein, in meinem Fall war es tatsächlich nicht Geocities, obwohl die Beschreibung (“gelbe Schrift auf dunkelblauem, dunkelgrünem und dunkelrotem Grund”) es vermuten lässt; Geocities habe ich erst kennengelernt, als “man” dort schon nicht mehr gesehen werden wollte.

Da war ich jedenfalls auch in irgendeiner Nachbarschaft die irgendwas mit Meadows hieß und dort war meine erste Homepage. Auch nicht mehr auffindbar, auch kein Verlust. Dann hab ich meine erste Domain angemeldet und hab sie heute noch, .com, da man .de noch (lange) nicht bekam. Ach ja…. “seufz”
Das Foto entstand beim Umzug 2012 und ich bin sicher, zumindest die eingeschweißte Wincim Diskette hab ich noch.

Georg K.s olle WinCim-Diskette (Copyright Georg K.)

Schwanke zwischen Belustigung (ach guck, noch einer, der seine CS-Nummer noch weiß!), Bewunderung und Neid. Eine WinCim-Diskette…! Obwohl ich die heute mangels 3,5”-Laufwerk nur noch von außen betrachten könnte.

Ihre Meinung dazu?

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