Zum Inhalt springen

Daten sparen

Wie alt man ist (auch so’n Dauerthema in meinem Koppe), erkennt man unter anderen daran, ob der eigene GMail-Account bei der Eröffnung einen Papierkorb hatte oder nicht. Denn ja, liebe Kinder, ganz zu Anfang konnte man aus seiner GMail nichts löschen, denn, so Google: “Wozu etwas löschen, wenn man 1 GB Speicherplatz hat?” Ein ganzes Gigabyte - soviel bot sonst kein anderer Freemailer (wobei wir über das Free in dem Mailer auch noch zu reden hätten), bei weitem nicht.

Ich glaube, das war der Sündenfall, das und der angeblich unbegrenzte Speicherplatz für Fotos auf flickr - “angeblich”, weil man zwar auch auf einen Gratisaccount unbegrenzt Fotos hochladen konnte, aber nur die letzten 2 GB davon auch noch sehen konnte. Es waren seltsame Zeiten, Festplattenplatz war billig, und wir waren sorglos.

So sorglos, dass ich inzwischen beim Versuch, Ordnung sowohl in meine Bildersammlung wie auch - totally unrelated, aber trotzdem - in mein Mailarchiv zu bringen, vor allem auf Doubletten, Tripletten und Quadrupletten stoße. Wie ich es geschafft habe, ein und die selbe Mail in meinem “Gesendet”-Ordner viermal zu speichern, ist mir ein Schleier; wie ich das gleiche mit gewissen gar nicht mal so dollen Bildern geschafft habe, ist mir schon klarer: Ordnung ist eben nicht so mein Ding.

Ein Tweet aus vergangenen Zeiten

In der Vorbereitung auf diesen Text habe ich versucht, einen rasend komischen (nun ja) Tweet aus meiner Timeline herauszusuchen. Hilfreich zur Seite stand mir Twitter, das mir eine durchsuchbare Zusammenfassung aller Tweets seit 2007 zum Download anbot.

Und so schrieb ich denn am 4. Juli 2013:

Wie soll ich Datensparsamkeit lernen, wenn ich es schon mit Geld nicht kann?

OK, dann eben nicht rasend komisch.

Immerhin war mir schon spätestens im Juli 2013 “Datensparsamkeit” offenbar ein Begriff. Und jetzt, fünfeinviertel Jahre später, versuche ich, das Konzept näher zu untersuchen.

Mühsame Handarbeit

Es ist mühsame Handarbeit, Digibilder endlich sinnvoll und nach einem stringenten Prinzip zu sortieren; die Belohnung besteht darin, dabei auf Doubletten und Tripletten zu stoßen, die dann aber sowas von sofort von Festplatte und Cloudspeicher fliegen. Immerhin habe ich dadurch etwa ein Fünftel des genutzten Speicherplatzes freibekommen. Und deshalb versuche ich das gleiche - und jetzt kommt’s! - jetzt auch mal mit Mail.

Alle Mail der letzten Jahre ist gesichert und gespeichert, alle 5 GB, allen Doublettenscheiß inklusive, aber nicht in meiner aktiven Mailbox. Dort habe ich am Wochenende mailbox zero gemacht; Inbox, Gesendet und Archiv sind bzw. waren gestern leer. Und dort kommt jetzt nur noch hinein, was wirklich hineingehört: Inhalte. Anhänge, die ich aufheben will oder muss - Fotos, Rechnungen, Texte, Materialien, PDFs, DOCXs, was auch immer - speichere ich seit diesem Sommer ohnehin (endlich!) zuverlässig in der Cloud und auf zwei Festplatten; kein Grund, warum ich eine Kopie in meinem Mailarchiv abwerfen muss. Nur Nachrichten, die im Text einen Inhalt haben, der mir Speicherplatz wert ist, landen im Archiv, alles andere wird nach dem Lesen gelöscht. Und jetzt bin ich gespannt, wann ich auf diese Art einen Füllstand von 1 GB erreiche. Wahrscheinlich niemals, wie Google damals, 2005, unter anderen Voraussetzungen behauptete.

Und warum das Ganze?

Nee, ernsthaft…

Nicht nur das wie (wie sicher bewahre ich meine Daten auf?) spielt eine Rolle bei unserem liebsten Hobby, dem Datenspuren-Produzieren, sondern auch das was: Welche Daten muss ich speichern (lassen), welche will ich speichern, und welche sind vielleicht am sichersten vor unbefugtem Zugriff, wenn man sie gar nicht (mehr) speichert? Meine Facebook-Spuren gehören zu der letzten Kategorie, die ich zumindest aktiv nach der Kündigung meines Accounts nicht mehr vermehre.

Und die Übung mit Foto- und Mailarchiv soll einfach dazu dienen, mir selbst klarzumachen, welche Daten es wert sind, gespeichert zu werden - selbst in Zeiten billigen Speichers.