Signal (Symbolbild)

Come together

Das Warten hat sich gelohnt. Irgendwann vor langer, langer Zeit, 2014 oder so muss es gewesen sein, installierte ich mir auf dem sogenannten Smartphone eine Software namens TextSecure, einen sicheren, Ende zu Ende verschlüsselnden Messenger. Ausprobiert habe ich das Dings mit einem Kollegen, der ein ähnliches Faible für exotische Software (die niemand nutzt) hatte wie ich. Weil ich den Kollegen zwar schätze, wir aber eben auch andere Möglichkeiten des Gedanken- und Informationsaustausches hatten (ja, liebe Kinder, damals gab es noch sowas wie „Dienstreisen“, „Konferenzen“ und „Telefone“…), war’s das dann auch schon mit TextSecure.

Kurz darauf erschien eine iOS-Version von TextSecure, die den Namen Signal (siehe Symbolbild) trug, was mir wurscht war, weil ich zu der Zeit einen Androiden nutzte und mit iOS-Software nichts anfangen konnte. Dann kam Signal auch für Android heraus, und ich installierte es und tauschte mit dem schon erwähnten Kollegen die üblichen Formalitätsnachrichten aus. Alle anderen in meiner Umgebung schickten mir Mails oder SMSen – oder riefen mich einfach an – ja, auch das gab es. Für sichere Messenger interessierte sich damals in meiner Umgebung niemand.

Trotzdem blieb Signal auf meinen Funkbläken – auch dann, als WhatsApp später im Jahr 2014 verkündete, die Verschlüsselung von Signal verwenden zu wollen. Damit hatten alle, die sich kurz zuvor nicht für Verschlüsselung im Messenger interessierten, plötzlich einen verschlüsselnden Messenger. Und ich konnte nur mit Mühe zwei, drei mir besonders nahestehende Menschen davon überzeugen, wenigstens mir zuliebe Signal zu installieren und zu nutzen.

Das blieb so, als ich im beruflichen Umfeld einen privaten Kreuzzug gegen WhatsApp führte – nicht der Verschlüsselung wegen, sondern der anderen Schmutzeleien, die einem Produkt aus dem Facebook-Umfeld offenbar zu eigen sind. Ich schmiss WhatsApp 2018 endgültig von meinen Geräten (wirklich – so lange ist das schon her!) und habe es nicht bereut.

Ab und zu meldete mir Signal in der Zeit seither freudig, dass jetzt auch XX Signal nützen würde – was mir aber nichts nützte, weil XX entweder rasch wieder die Lust verlor oder wir uns eigentlich, und wenn wir ehrlich waren, nichts zu sagen oder zu messengen hatte.

Weil mich das Thema weiterhin interessierte (so, wie früher mal abgesicherte Email – die Älteren werden sich an entsprechende Blogeinträge noch schwach erinnern…), kam natürlich auch Threema auf meine diversen Phone, und Wire, zwischendurch sogar Nazigram Telegram, das aber bei mir aus technischen wie vor allem politischen Gründen für Würgereiz sorgt, und gerade kürzlich erst Teleguard – alles Dinge, in deren Kontaktlisten (Threema ist eine Ausnahme) immer genau ein Mensch steht, mit dem ich pro-forma-Nachrichten austausche (wie früher mit TextSecure), und die ich nur behalte, weil ja vielleicht doch irgendwann mal der Durchbruch oder so oder nicht…

Und dann…?

Dann kam die angekündigte Änderung der Geschäftsbedingungen von WhatsApp, die aus den inoffiziellen Schmutzeleien (Nutzerdatenaustausch mit Facebook incl. böswilliger gezielter Profilerstellung etc.) ganz offizielle Geschäftspolitik machen sollte, andere als ich starteten eine gar nicht so kleine und umso wirkungsvollere Kampagne, und plötzlich ist meine Signal-Kontaktliste voll, und wir schicken uns Nachrichten, tele- und videofonieren, dass es 1 Pr8 ist, und es kommt sogar vor, dass lange eingeschlafene Kontakte wieder aufleben.

Das Warten hat sich also gelohnt. Von 2014 bis 2021. Jetzt müssen nur alle auf meiner Kontaktliste durchhalten, bloß nicht schwach werden, sich nicht von gelegentlichen, erfolgsbedingten Ausfällen abschrecken lassen – und schon gar nicht auf the next big and shiny thing aus der Küche der Profilersteller dieser Welt hereinfallen, hört ihr!?

P.S.: Ja, ich weiß, dass Signal die User über ihre Telefonnummer identifiziert, und dass das für Fundis (wie ich im Herzen ja auch einer bin) unakzeptabel ist. Aber, liebe Mitfundis, freut Euch doch, dass sich was tut! Wenigstens ein klein bisschen…

3 Kommentare

  • Peter van I.

    The unexpected popularity boost for Signal is well documented. Generally speaking it’s good to see many WhatsApp addicts being weaned off their primary means of communication and, let’s face it, raison d’être (I app, therefore I am). Signal now adding ‚mainstream chat features‘: https://www.msn.com/en-us/money/other/signal-adds-mainstream-chat-features-to-lure-wider-audience/ar-BB1dcKPB will only accelerate the switch and smaller messenger apps will be forced to follow suit regarding new features and a more user-friendly user interface. If only trying to survive the onslaught by a big player.

    Probably a good thing, being able to send cat videos to all your contacts with one click, fully customised with stickers and emoji and end-to-end encrypted for good measure. But all that doesn’t alleviate the issue that you’ve touched upon in your final paragraph above: surrendering your telephone number to an unknown party in the US (!) where tech giants in the communications field are not necessarily known for using such information with the required (and expected) care.

    There are no guarantees whatsoever that at some future date the then controlling body of Signal may decide that all those telephone numbers are worth a fortune. I needn’t spell out such a doom scenario. FYI, I’m also extremely guarded as to whom I divulge my email address. An interesting read on the Signal ‚phone number required‘ issue is here: https://nakedsecurity.sophos.com/2020/05/22/signal-secure-messaging-can-now-identify-you-without-a-phone-number/

    If security-aware people are concerned about their identity being possible compromised via e.g. browser fingerprinting: https://pixelprivacy.com/resources/browser-fingerprinting/ why is it that we happily exchange such (IMHO more) privacy-sensitive items as email addresses and telephone numbers with the likes of Signal et al? Why are many people obsessed with keeping their telephone numbers out of (online) directories and have we implemented telephone number-blocking (hiding caller ID) on our (smart)phones?

    Until Signal implements what Threema already has: fully anonymous registration I’m unwilling to be awed by its advertising and promises. And I’m not at all impressed by the much-parroted celebrity endorsement claims: „Edward Snowdon, Bruce Schneier, Elon Musk, etc, all use Signal! It must be good then!“. Influencers, who doesn’t trust them?

    As is expertly illustrated in the post above, wide-spread adoption of something is first and foremost dependent on its user base, the popularity with the masses. It’s understandable that said masses are marching to the loudest drum. But that doesn’t necessarily mean that this particular drum is used by the best band.

    • Konstantin Klein

      …womit nicht nur die im letzten Absatz meines Textes zwischen den Zeilen angedeutete Stellungnahme eingetroffen, sondern auch ein ganz anderes Thema angesprochen wäre: die Frage, ob es privacy überhaupt noch gibt: Telefonnummern sind ohnehin personenbezogen, Profile lassen sich auch ohne Telefonnummern erstellen und verfolgen (siehe Kommentar), und die Oberprofiler arbeiten schon an weiteren Möglichkeiten, auch ohne Cookies und Tracker genau zu wissen, was wir so treiben.

      Absolute privacy (nochmal der englische Ausdruck, weil er mehr umfasst als der deutsche „Datenschutz“) gibt es – sorry – nicht mehr in einer Zeit, in der alle möglichen Informationen standardisiert erfasst und miteinander verknüpft werden. Es kann nur noch um relative privacy gehen, und da muss jeder beurteilen, was für ihn wichtig ist.

      Da aber merken wir immer wieder, dass nicht die Angabe der eigenen Telefonnummer das eigentliche Problem ist, sondern die Angabe fremder Telefonnummern über den Zugriff auf persönliche Adressbücher ohne die Zustimmung der darin enthaltenen Mitmenschen, wie gerade erst wieder von einer gehypeten Laber-App demonstriert.

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