An der Bushaltestelle

Auf jeden Fall down

Der weihnachtliche Lockdown (zur Begriffsbestimmung gleich mehr!) bestand darin, dass ich zum ersten Mal seit Tagen die Höhle verließ und geschätzt genausoviele Leute auf den Straßen sah wie sonst auch und auch genausoviel Masken wie Leute. Bad Godesberg ist ohnehin nicht als Hotspot des Querdenkertums bekannt. Und das ist gut so (Emanuel Wowereit, ca. 1359).

In der nachbarschaftlichen Apotheke gab es keine Gratismasken – nicht, weil sie schon ausgegangen wären, sondern weil sie noch gar nicht eingetroffen waren. Egal – es war ohnehin eher der innere Schwabe, der sie wollte; eigentlich habe ich genügend Reservemasken, auch von der Machart, wie sie jetzt verteilt werden.

An der Post eine vorweihnachtlich lange Schlange, umso länger, als die Menschen tatsächlich Abstand hielten. Und wie jedes Mal war es mir (ich gestehe) ein Fest, an der Schlange vorbei nach vorne zu gehen – nicht, weil ich etwas Besonderes wäre (doch, das auch), sondern weil die Schlange vom Bistro-Imbiss auf der Straße bis in den Schalterraum reicht, aber nicht zu den Postfächern, zu denen ich wollte. Kein Gemurre aus der Schlange, zustimmendes Nicken vom Wachmann. Aber wehe, ich hätte auch nur eine Briefmarke auf diesem Wege kaufen wollen!

Auf Bad Godesbergs Shopping-Meile (siehe Artikelbild) das gleiche Bild wie in den letzten Tagen. Drogeriemarkt offen und wenig besucht, Backstube offen und wenig besucht, eigentlich alles offen und wenig besucht. Nur die Buchhandlung, der Telekom-Laden und Woolworth hatten zu auf den nicht repräsentativen Metern, die ich abgelatscht bin.

Können wir uns also bitte davon verabschieden, vom „Lockdown“ zu sprechen, einem Wort, dass inzwischen gerne von Querschweinchen (Nagetier, das gegen Coronamaßnahmen ist) verwendet wird, um die Maßnahmen ins Unverhätlnismäßige zu übertreiben? Selbst der „Shutdown“, von dem, glaube ich, inzwischen der Gesundheitsminister gerne spricht, klingt mir übertrieben. Es ist eine Einschränkung, die wir Nicht-Geschäftsleute derzeit und nicht zum ersten Mal durchmachen – ein echter Shutdown ist es, wenn wir ehrlich sind, vor allem für diejenigen, die ihre Läden dicht machen und erneut um ihre Existenz fürchten müssen. Für alle anderen ist es bis ran an die eigentlichen Festtage nicht mehr als eine inconvenience (ein englisches Wort, das ich sehr mag). Deal with it (noch drei englische Wörter).

Leseempfehlung am Abend: Einen sehr viel längeren, aber auch viel schöneren Text zum Thema hat SZ-Chefschreiber (oder wie seine Position jetzt heißt) Kurt Kister geschrieben, der schon in der Journalistenschule besser schreiben konnte als ich und die meisten anderen in der Gruppe.

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