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...als Farce

Weil Wochenende ist, können wir diesen Text ruhig mit einem Zitat von Karl Marx beginnen, weil warum nicht?

Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. (Quelle)

Und wenn wir schon mal dabei sind, gleich noch eins drauf von George Santayana:

Those who cannot remember the past are condemned to repeat it. (Quelle)

Und warum das alles? Weil ich mit Besorgnis, aber vor allem mit großer Wehmut (und am liebsten gleich noch einem großen Wermut) verfolge, was sich ein paar hundert Kilometer weiter südlich, in dem Land, in dem (zugegeben: ist schon ein paar Jahrhunderte her) die europäische Kultur entscheidend mitentwickelt und geprägt wurde, abspielt: Italien. Ich kann es nur eine Farce nennen, was sich dort abspielt, und ich kann nur hoffen, dass sich die Geschichte diesmal entscheidet, sich nicht zu wiederholen - auch wenn es dafür Anzeichen gibt.

Hinweis: Der folgende Gedankengang beruht vor allem auf Informationen aus der aktuellen Berichterstattung (die sich weiterentwickeln und ändern kann) und aus der Wikipedia (für die mehr oder weniger das Gleiche gilt).

Auftritt Matteo Salvini, der Mann, der gerade ein Misstrauensvotum gegen die eigene Koalitionsregierung in die Wege geleitet hat in der vermutlich berechtigten Hoffnung, seine rechtsextreme und fremdenfeindliche Lega Nord bei Neuwahlen zur stärksten Partei im römischen Parlament zu machen.

Besagter Salvini hat sich (lt. Wikipedia) in früheren Jahren in der “Kommunistischen Partei Padaniens” engagiert. Inwieweit diese Partei tatsächlich kommunistische Ideen vertrat, lässt sich von hier und jetzt aus nicht sagen; immerhin deutet der Parteiname grundsätzlich eher nach links. Sein Geld hat Salvini (ebenfalls lt. Wikipedia) als Journalist verdient, bis er in der rechten Lega aufstieg und die journalistische (??) Kurzform des Tweets für sich entdeckte.

Nun zum Vergleich ein kurzer Blick in den Wikipedia-Artikel über Benito Mussolini: Ausgebildeter Gundschullehrer, Journalist, Chefredakteur des Avanti!, des Zentralorgans der Sozialistischen Partei Italiens. Dann die Entwicklung nach rechts, ganz rechts, schließlich die Diktatur.

Alles Zufall, oder?

Klar. Zufall. Und Salvini wäre wohl auch Salvini geworden, wenn er, sagen wir: Einzelhandelskaufmann gelernt hätte (gleich mal nachsehen: Was heißt Einzelhandelskaufmann auf Italienisch? Google Translate meint: “Einzelhandelskaufmann”. Echt jetzt?). Aber da sind ja noch mehr Ähnlichkeiten: Die radikale Rhetorik, der Populismus, der ungehemmte Machtwille, der offenbar unaufhaltsame Aufstieg…

Bleibt die Hoffnung, dass sich die Geschichte (nach dem Hegel zitierenden Marx) tatsächlich als Farce wiederholt. Fotos deuten ein wenig darauf hin - aber was wir auf dem verlinkten Artikelbild sehen, ist nicht das Gesicht eines Clowns, oder das eines entspannten, lässigen Einwohners eines der schönsten Länder Europas, so sehr es danach aussehen soll.

Natürlich bleibt auch die Hoffnung, dass das Ziehen politischer Parallelen, wie ich es in diesem Text betreibe, verantwortungslos und letzlich irrelevant ist. Schließlich machen sich nicht alle Jungjournalisten auf den Weg von links nach rechtsaußen und werden zu Diktatoren. Ich würde mich in dieser Hinsicht gerne widerlegen lassen. Aber…

Italien, ach Italien! Wenn es wirklich zu Neuwahlen kommt: Mach bloß keinen Scheiß!

Konstantin Klein / Konstantin