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Sinnlose Symbolhandlungen allerorten – auch hier. Denn was bringt ein „Not My President„-Badge auf der Webseite, der fünfhundertste lustige Tweet über Zensursula? Nichts bringt er. Auch wenn es uns Netzbewohnern anders vorkommt: Wir sind eine Subkultur, wir sind nicht die Mehrheit und werden es auf absehbare Zeit nicht sein (nicht, solange die Standard-Mailadresse in diesem unseren Lande auf „@web.de“ endet!), und den meisten derer, die am 30. Juni in der Bundesversammlung sitzen und über den nächsten Bundespräsidenten/die erste Bundespräsidentin abstimmen, sind wir Zensursula-Stänkerer Gegner einer Bundespräsidentin von der Leyen egal oder sogar hochgradig verdächtig.

Mal ganz abgesehen davon, dass meines Wissens noch niemand offiziell als Kandidat/in aufgestellt wurde.

Nun können wir nach Belieben weiterstänkern – nützen wird es nichts. In diesem Zusammenhang ein Hinweis: Eine alte Usenet-Regel besagte, dass derjenige, der als erster einen Hitlervergleich in eine Diskussion einbringt, dieselbe sofort und automatisch verloren hat. Dies gilt auch für das heutige Gestänkere – ihr wisst, wen ich meine (linkt euch doch selbst™).

Nee, es wird, sobald die Kandidaturen feststehen, wieder Zeit zum Briefeschreiben.

Ich erinnere mich noch mit einer gewissen Rührung an den offenen Brief, in dem ich meinen damaligen Wahlkreisabgeordneten Wolfgang Thierse um seine Stimme gegen Ursula von der Leyens Zugangserschwerungsgesetz bat. Ebenso offen hatte Thierse mir geantwortet, warum er für das Gesetz stimmen werde. Heute ist Thierse zwar noch im Bundestag, aber nicht mehr als Abgeordneter für Pankow (meine Stimme hatte ich anderweitig vergeben), und Leyens seltsames Gesetz wird bis heute nicht angewendet. Weil es sinnlos ist wie eh und je.

Stattdessen werde ich inzwischen von einem Abgeordneten der Linken im Bundestag vertreten. Dem muss ich wahrscheinlich nicht schreiben, dass ich es falsch fände, von der Leyen zur Bundespräsidentin zu machen; zu befürchten ist eher, dass die Linke wieder mit einem Spaßkandidaten aufwarten wird. Aber es wird genügend Menschen in der Bundesversammlung geben, denen ich einen offenen Brief schreiben kann – und werde.

Und darin werde ich versuchen, darzulegen, warum ich eine Frau, die wissentlich und willentlich mit der Unwahrheit ein untaugliches Gesetz durchsetzen wollte, die wissentlich und willentlich die Grundrechte der Bundesbürger einzuschränken bereit ist, für absolut ungeeignet für das Amt des Bundespräsidenten halte.

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