Post-9/11

Es muss in den Genen eines Redakteurs liegen, ein Ereignis nach einer mehr oder weniger runden Anzahl von Jahren noch einmal von allen Seiten zu beleuchten. Warum auch nicht: der 11. September 2001 hat unser Leben verändert. Weshalb auch Salon.com sich mit der Welt seither beschäftigt, im konkreten Fall: mit der Welt der Flugreisen. Wir erinnern uns (und heute abend werde ich auch wieder zwangsweise daran erinnert): Das ist die Welt, in der Nagelscheren und seit neuestem auch Babyshampoos als tödliche Waffen, undifferenziertes Abgrabbeln durch wildfremde Menschen dagegen als Maßnahmen zur Sicherung aller gelten.

Dass speziell die Vorschriften der US-amerikanischen National Transportation Security Administration in Zusammenarbeit mit unterbezahlten Angestellten von Privatfirmen Flugreisen vor allem lästiger gemacht haben, ist ein naheliegender Punkt, den Salon-Autor Patrick Smith mühelos nach Hause bringt. Interessant aber diese Beobachtung:

Alas, a frightened American populace seems to demand not actual security, but security spectacle. We equate nuisance with safety: If it is inconvenient and highly labor intensive, our thinking goes, it must be helpful. And although a reasonable percentage of passengers, along with most security experts, would concur such theater serves no useful purpose, there has been surprisingly little outrage, little protest — not from passengers, not from the airlines, not from the media. In that regard, we’ve gotten exactly the system we deserve.

Öhm… – kann es eventuell sein (um mal wieder diesen unsäglichen Satz der berufsmäßigen Angstmacher zu verwenden), dass in diesem Sinne „die Terroristen gewonnen“™ haben?

Terrorismus ist doch ein leichtes Geschäft geworden. Es ist gar nicht mehr nötig, mühsam Selbstmordattentate vorzubereiten, Kandidaten für die Ausführung zu finden, immer in der Gefahr, aufzufliegen. Es reicht völlig, an der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit ein paar düstere Andeutungen fallenzulassen – und schon werden die Schlangen an der Sicherheitskontrolle wieder länger, geht Produktivität verloren, machen die Airlines Verluste. It’s so easy…