Platte putzen

Da habe ich mich vielleicht nicht klar genug ausgedrückt, was meine Ideen zu privater E-Mail angeht. André Wendt schreibt mir eine Mail und stellt mir einige berechtigte Fragen, unter anderem diese:

Ich habe mir SDF mal genauer angeschaut und bin fasziniert, aber gleichzeitig verwirrt: Ist es nun besser, den Mailverkehr dort abzuwickeln, wo nachweislich weniger Datenschutz besteht?

Mal abgesehen davon, dass gerade die Diskussion der letzten Wochen gezeigt hat, dass es auch in diesem unseren Lande gelegentlich ein Missverhältnis zwischen dem gesetzlich vorgeschriebenen und dem tatsächlich ausgeübten Datenschutz gibt: Einen ganz wichtigen Aspekt von sicherer E-Mail habe ich vergessen zu erwähnen.

Die Jüngeren unter uns, also vor allem diejenigen, die erst in den letzten zwei Jahren einen PC bekommen haben und jetzt vergeblich nach all den aufregenden Dingen in mySpace, Second Life etc. suchen, von denen die Medien so gerne schwafeln – die Jüngeren werden sich vielleich nicht mehr daran erinnern, dass E-Mail mal etwas war, das man eben nicht gigabyte-weise aufhob und von Google indizieren und durchsuchen liess.

Menschen wie Bill Gates, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Microsoft, oder Karl Rove, der Immer-noch-Chefeinflüsterer des amtierenden US-Präsidenten, haben schon leidvoll erfahren müssen, was es bedeutet, wenn man peinliche Mail erst dann löscht, wenn die Schlapphüte schon an die Tür klopfen.

Nochmal, fürs Protokoll und überhaupt: Ich habe nichts zu verbergen. Meine Mail ist sogar meist von erschreckender Banalität. Aber sie geht niemand etwas an. Und Mail, die zeitig gelöscht wird (ob nun auf dem Server oder dem heimischen Rechner), ist im Laufe der Zeit, je mehr Daten über sie drübergeschrieben werden, immer schwerer zu finden.

Und das ist der Grund, weshalb mein Mailverzeichnis auf dem Server auch nach Monaten nicht über drei oder vier Megabyte hinausgewachsen ist.