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…oder auch: Back to the roots. Führende Vertreter meiner Altersklasse denken zunehmend darüber nach (sprich: sie denken nach, und ich nehme – unerklärlicherweise – zu), wo und wie der bewusste Netzmensch sich im Netz am besten aufstellt. Çem Basmann ist zunehmend genervt von der Impertinenz von einigen Sozialen Mega-Medien (und muss den Namen Facebook in diesem Zusammenhang gar nicht mehr erwähnen, tut es aber trotzdem), und auch der Neuköllner Großblogger denkt nach. Die Ergebnisse des verteilten Nachdenkprozesses sind meinen Gedanken zum Thema nicht ganz unähnlich:

  • Hauptbühne des vernetzten Lebens bleibt auch für mich the Blog, also die Seiten, die unter bluelectric.org erreichbar sind. Das war nicht immer so; im Ansturm neuer Möglichkeiten der Vernetzung habe ich Blogs vor einigen Jahren für veraltet erklärt und mich auf die Suche nach the next big thing gemacht. Im Zuge dieser Suche habe ich einige grobe Fehler gemacht, die Marke ruiniert, viel mit Plattformen, journalistischen Erscheinungsformen, Tumblelogs, Sprachen etc. herumgemacht, Archive aus dem Netz genommen bzw. verloren, konsequent Leser verscheucht etc. Das Blog dankt es mir, indem es immer noch da ist. Von wegen veraltet.
  • Mein Facebook– und mein Friendfeed-Account haben in diesem Zusammenhang die gleiche Funktion wie mein RSS-Feed: sie dienen als Multiplikatoren, und ich erreiche damit die Leser, die ihren Lesestoff gerne an einer Stelle im Netz versammelt vorfinden. Natürlich erfüllen auch Google Buzz und Twitter diese Funktionen mit. Nachteil: Leserschaft und Diskussionen verzetteln sich dadurch ein wenig im Netz. Vorteil: Mehr Leser.
  • (Darüber hinaus finde ich über Facebook immer wieder Leute, von denen ich seit Jahren nichts mehr gehört habe. Und das ist schön.)
  • Professionelle Netzwerke wie Xing oder LinkedIn? Spielen für einen Festangestellten im ö/r Rundfunk keine so große Rolle wie für Freiberufler. Laufen deshalb so mit, und wenn sie nicht da wären, wäre es auch kein großes Problem.
  • Interessant ist dagegen die Rolle, die Twitter und Google Buzz neben der Multiplikatorenrolle spielen – und zunehmend gut spielen: die des Kommunikations- und Diskussionsmediums. Dabei übernimmt Twitter für mich die Rolle des Großraumbüro- und Kneipengesprächs, und bei Google Buzz finden die substantielleren Gespräche statt. Das gilt es zu beobachten.
Fazit: Das selbstbestimmte, wenn auch nicht unbedingt selbst gehostete Weblog (Basmann: nein – Schockwellenreiter: ja – ich: nein) lebt, und ich war wohl etwas voreilig, als ich es als digital life form abschrieb.  Es verdient Pflege und Liebe. Und beides soll es jetzt auch bekommen.