PAL und die höflichen Trolle

Autor dieses – und darin unterscheidet er sich nicht wesentlich von anderen Blogautoren – schreibt gerne über Dinge, die seit der Übersetzung des Hitchhiker’s Guide ins Deutsche als PAL beschrieben werden, als Problem Anderer Leute. Ein PAL zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass es über hundert Jahre lang mit einer einfachen Taschenlampen-Batterie… aber ich schweife ab.

Ein solches PAL sind zum Beispiel Trolle (schnell auf den Link klicken – die deutschen Wikipedia-Relevanz-Trolle sind kurz davor, den Artikel zu löschen, und dann implodiert das Universum! schnell!!).

Trolle nutzen eines der Grundgesetze des Netzes („On the Internet, nobody knows you’re a dog„), um anonym oder im Schatten einer offensichtlich gefälschten persona

Diskussionen auszulösen, nur um zu diskutieren, Menschen mit anderer Meinung zu diskreditieren oder eine Diskussion zu sabotieren, indem er eine unangenehme Atmosphäre schafft (Quelle: Wikipedia-Artikel, jedenfalls solange ihn die Trolle in Frieden lassen)

Trolle sind auch eine Landplage in den Kommentarfeldern von Weblogs (und hier kommt das PAL-Prinzip ins Spiel: in den Kommentarfeldern anderer Weblogs – hier ist es ihnen offenbar zu langweilig). Wie man mit Trollen und ihren überraschend nahen Verwandten, den Kommentarspammern, umgeht, ist ein Problem, seit es Weblog-Kommentare gibt.

In seiner Eigenschaft als Alter Zausel™ erinnert sich Autor dieses an die Diskussionen, ob es legitim sei, potentiellen Kommentateuren zuvor die Registrierung aufzuzwingen; und ich erinnere mich auch daran, welchen negativen Effekt dieser Registrierzwang hatte: Nicht nur die Trolle wollten sich nicht registrieren. Also hat man es wieder sein gelassen und es bei der Angabe einer zumindest echt aussehenden Mailadresse belassen.

Auftritt Social Graph.

Man kann über Facebook Connect, Google Friend Connect und ihre älteren Geschwister TypePad, OpenID etc. sagen, was man will: In von ihnen befeuerten Diskussionen geht es nach meiner Beobachtung weniger unzivilisiert zu als dort, wo jeder ohne vorherige Registration, ob nun bei der Seite selbst oder einem Authentifizierungssystem wie den genannten, draufloskommentieren kann.

Das hat wohl damit zu tun, dass

  1. die Registrierung den Autor eben doch aufspürbar(er) macht, weil jedes der genannten Systeme die Registrierung erst nach einer Bestätigungsmail an eine real existierende Adresse abschließt und
  2. die Arbeitsweise Register once, comment everywhere (habe ich in dieser Bezeichnung gerade eben erst erfunden, aber was soll’s?) die Hemmschwelle senkt – weil sie nur einmal errichtet wird.

Hm.

Altehrwürdige Weblogsysteme wie das von mir Ende letzten Jahres kurzfristig wieder ins Spiel gebrachte MovableType und auch das jetzt hier amtierende Blogger bieten die Möglichkeit, Kommentare an die Authentifizierung mit einem oder mehreren solcher Systeme zu binden (Blogger unterstützt neben der hauseigenen Google ID die MT-Abkömmlinge TypePad und LiveJournal, die WordPress.com-ID, das AIM-Login und OpenID); ich bin mir sicher, dass es auch für WordPress eine solche Möglichkeit gibt.

Also warum nutzen zumindest die von Trollen geplagten Blogs, Foren etc. solche Möglichkeiten nicht öfter? Ist es die aus dem sechsten Absatz bekannte Scheu, Besuchern persönliche Informationen abzuverlangen? Ist es der (irrige) Glaube, das in Absatz drei zitierte Internet-Grundgesetz sei tatsächlich eines? Oder ist es nur der kleine Google in jedem von uns, der leise, aber nervig schreit „Don’t be evil!“?

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal Werbung machen für OpenID. Im Gegensatz zu den Google Friend Connects und Facebook Connects dieser Welt ist OpenID dezentral; der Nutzer ist nicht von einem bestimmten Provider (und damit auch nicht unbedingt von einem kommerziellen Provider) abhängig. Inzwischen ist es auch nicht mehr grenzkompliziert, OpenID auf der eigenen Seite einzusetzen (MovableType, Blogger, WordPress-Plugin etc.), und inzwischen funktionieren OpenIDs auch tatsächlich quer durchs Netz. Ja, mein Provider bekommt mit, wo ich die von ihm bezogene ID überall einsetze; aber wen das stört, kann sich seinen eigenen OpenID-Server aufsetzen und ist dann ganz unabhängig – und bietet doch eine echte ID im Netz.

Und mit Ausnahme der Facebook-Empfehlungs-Buttons (Facebook hat seine eigene Vorstellung von openness) ist auch diese Seite durchgängig OpenID-enabled: Kommentare und die Registrierung als Friend&Neighbor sind mit OpenID möglich.

Wobei ich OpenID – weil Trolle hier bisher so gut wie nicht vorkommen – nur als Option anbiete; bis zum Eintreffen der Trolle darf hier jeder auch ohne jegliche ID im Hintergrund kommentieren.

Zuletzt möchte ich darauf hinweisen, dass PAL und die höflichen Trolle auch ein prima Bandname wäre.