Opera reloaded

Mitleser aus alten Zeiten (aus ganz alten Zeiten, so etwa 2001/2002) werden sich erinnern, dass ich lange ein Fan des handgestrickten Norwegerbrowsers war. Ich war Opera-Nutzer, weil Netscape auf dem Weg zu Firefox noch eine lange Strecke vor sich hatte, weil es Chrome noch nicht gab, und weil Internet Explorer.

Dann kam Firefox, dann kam Chrome, und irgendwo im Hintergrund, von der breiten Öffentlichkeit unbeachtet, wechselte Opera zunächst seinen Chef und dann die Richtung und wurde zu yet another Chrome clone – den es noch dazu für mein Lieblingsbetriebssystem skandalös lange nicht gab.

Dann kamen vor etwa einem Jahr rästelhafte Neuigkeiten aus Island, wohin sich Opera-Mitgründer Jon von Tetzchner mit einigen Getreuen schmollend verzogen hatten. Und heute erfahre ich:

Vivaldi, der Browser ist da. A new browser for our friends, also vermutlich für die Freunde des alten Norwegerbrowsers, gestrickt von Jon von Tetzchner & Community, noch ohne all die Extras, die Opera seinerzeit zu mehr als einem innovativen Browser gemacht haben (erinnert sich noch jemand dran, wer das tabbed browsing zuerst unter die Massen gebracht hatte? Richtig: Opera), aber schon jetzt für OSX, Linux und Windows. Und wenn ich nicht jetzt zu einer Spätschicht in der Redaktion müsste, wäre ich wahrscheinlich schon eifrig am testen. In der Zwischenzeit (vermutlich bis zum Wochenende) bitte ich noch um etwas Geduld.

Vivaldi soll – wie einst Opera – der schnellste Browser werden:

Our aim is to be the fastest browser in the universe but we are not talking about theoretical speed here. It’s all about efficiency. We focus on making it quicker and faster for you to find things and getting things done!

…und soll – wie einst Opera – ein schnelles Mailmodul erhalten. Notes, Tab Stacks und Quick Commands sowie Tastatur-Bedienung, alles alte Opera-Features, hat er jetzt schon.

Noch ein Browser also. Und wer braucht so was, angesichts der Breite des heutigen Angebotes? Niemand, vermutlich. Aber Islandpullover braucht außerhalb Islands auch niemand, und doch haben sie ihre Fans.

2 Gedanken zu „Opera reloaded“

    • Was mich beschäftigt: Wer braucht noch einen Browser? Von Tetzchner sagt, Vivaldi sei der Gegenentwurf zu Chrome (obwohl es auf Chrome aufbaut), soll also nicht minimalistisch und erweiterbar sein, sondern die Funktionen, die man sich sonst per Erweiterungen zusammensucht (oder auch nicht, weil es sie nicht gibt), schon mitbringen.

      Die Frage bleibt, wer dieser „man“ ist, welche Bedürfnisse er/sie hat, welche Funktionen er vermisst – zumal auch Vivaldi künftig erweiterbar sein soll. Vivaldi zielt auf Nerd-Nutzer, heißt es. Ich kann mich aber nicht erinnern, gefragt worden zu sein. Also muss ich davon ausgehen, dass Vivaldi im Endstatium vor allem ein Chrome-basierter Browser ist, der die Funktionen des klassischen Opera-Browsers (bis Version 12, vor der Umstellung von Opera auf die Blink-Engine von Chrome) vereinigt. Also ein Browser für die Freunde des alten Opera – was mich mit einschließen würde.

      Das Problem dabei liegt aus meiner Sicht gar nicht so sehr im Browser in der lokalen Installation, sondern darin, dass ich und vielleicht auch ein paar andere gerne ihre Lesezeichen und Einstellungen über mehrere Plattformen hinweg synchronisiert halten wollen und möglicherweise sogar ihre Passwörter mit einem cloud-basierten Password-Manager verwalten. Solche ehemals zentralen Browserfunktionen lassen sich seit einiger Zeit aus dem Browser auslagern, weshalb eine gute Lesezeichenverwaltung, wie sie Vivaldi bekommen soll, mir erst dann was nützt, wenn ich sie auch auf anderen Rechnern und Mobilgeräten wiederfinde.

      Test folgt am Wochenende. Ich bin gespannt.

Kommentare sind geschlossen.