Opera: nur bedingt cross-platform

Selber schuld ist, wer auf den heimischen Rechnern ein Betriebssystem nutzt, dessen Marktanteil (auf dem Desktop) irgendwo zwischen nicht messbar und dem ganz unteren einstelligen Bereich schwankt. Selber schuld, wer an FOSS glaubt. Wer an FOSS glaubt, muss mit FOSS zurecht kommen.

Oder so.

Opera hinter Gittern (Symbolbild)
Opera hinter Gittern (Symbolbild)

Auftritt Opera, der handgestrickte Norwegerbrowser. Opera war schon zur Jahrtausendwende immer mal wieder mein Lieblingsbrowser; damals gab es Internet Explorer 5 (grusel!), und Netscape 6 (wusel!) betrat gerade die Bühne, um den Namen und das Unternehmen Netscape nach den browser wars der 90er Jahre endgültig zu ruinieren. Also bezahlte ich für eine Opera-Lizenz und war ganz zufrieden. Später, als ich mich schon für Minderheiten-Betriebssysteme entschieden hatte, war Opera neben (dem absolut mainstream-orientierten) Outlook Express die einzige Anwendung, mit der ich störungsfreien Zugang zu den Newsgroups meiner Fernuni hatte, weshalb ich weitere Jahre mit dem Browser aus Oslo verbrachte.

Obwohl… Inzwischen gab es, auferstanden aus Ruinen™ von Netscape, den Firefox, dann spielte ich ein paar Jahre den Mac-Nutzer, dann kam Chromium/Chrome – an schnellen Browsern gab es keinen Mangel mehr, und neben Features, die andere Browser eben erst ein Jahr später geklaut hatten, schien die eigenwillige Darstellung, die die Opera-eigene Engine Presto manchen Webseiten verpasste, der einzige verbliebene unique selling point von Opera geblieben zu sein.

Doch in den letzten Monaten schien sich was zu tun bei Opera.

Zuerst kam die – bei Opera-Fans durchaus nicht nur populäre – Entscheidung, Presto abzuschalten und Opera zum Chromium-Clone mit Opera-eigenen Features zu machen. Statt Presto kommt nun Webkit, und weil Google Webkit demnächst durch eine eigene, apple-unabhängige Weiterentwicklung namens Bing Blink ersetzen will, soll Opera auch diesen Schritt nachmachen. Auf Mobilgeräten der Machart Android ist Opera schon ein Webkit-Browser, was ich an dieser Stelle schon mal auf das schärfste begrüßt hatte.

Und nun…

Nun kommt der nächste Opera-Browser schon mal versuchshalber auf den Desktop, und – was ich besonders spannend fand, weil ich den eingebauten Opera-Mailclient immer schon gerne auch ohne den Browser genutzt hätte – es kommt ein eigenständiger Mail-Client auf Opera-Basis. Nur leider nicht zu mir. Denn cross-platform bedeutet bei Opera inzwischen offenbar „nur für Windows und Mac“. Was mich als frühen Nutzer des damals durchaus noch kratzigen Norweger-Browsers doch ein wenig enttäuscht und einen Testbericht an dieser Stelle erfolgreich verhindert.