Note to Self

In einem reflektiven Moment (U8, zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Voltastraße) heute morgen eine schon länger andauernde Veränderung der Konsumgewohnheiten eines news junkies (= ich) festgestellt. Diese Feststellung sollte und wird Auswirkungen auf mein Selbstverständnis als Medienschaffender haben.

Früher, also ganz früher, begann der Tag mit dem Hören von Radio-Morgenmagazinen (meistens dem des eigenen oder dem des unmittelbaren Konkurrenzsenders) sowie dem Konsum zweier oder dreier Zeitungen – zuhause und auf dem Weg zur Arbeit. Tagsüber lebte die Neugier aus dem ständig laufenden Redaktionssystem, abends heute, Tagesschau und Tagesthemen. Nicht vorbildlich für einen Journalisten (vorbildlich sind die sieben Zeitungen am Frühstückstisch!), aber ziemlich typisch.

Später begann der Tag mit der Lektüre der umfangreichen und umfassenden, online immer noch gerne gelesenen und an dieser Stelle immer noch gerne zitierten Lokalzeitung, gefolgt von einem Arbeitstag unter einer Monitorwand mit mindestens vier gleichzeitig laufenden Nachrichtenprogrammen, abgeschlossen durch die Abendnachrichten meines Lieblings-Krawallsenders und ergänzt durch heftiges Bloglesen und die keimenden Online-Angebote von Redaktionen aus der alten Heimat.

Und heute, bzw. gestern und heute? Die Berliner Zeitung lese ich abends, den Print-Spiegel als PDF, andere Printmedien als Newsletters oder RSS-Feeds. Am Morgen herrscht Ruhe zuhause, und auf dem Weg zur Arbeit tritt der iPod in Aktion (heute morgen nacheinander – und in dieser Reihenfolge – der Elektrische Reporter, Tagesschau und Tagesthemen). Elektronische Medienangebote haben jetzt die Aufgabe, mich – und vermutlich viele andere – informiert in den Tag zu entlassen.

Nun mögen die Produkte von ARD Aktuell noch als Leitmedien durchgehen; die Tiefe der Berichterstattung beispielweise einer Washington Post erreichen sie nicht, können sie nicht erreichen. Sprich: Wer genauso informiert sein will wie beispielweise vor 15 Jahren, muss sich die abonnierten Podcasts schon genau auswählen (und einen langen Weg zur Arbeit haben).

Oder ich werde meine Zeitung eben doch wieder mit nackten Füßen an den Frühstückstisch holen.

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