Northern Light

In Empfehlenswerten Gegenden™ habe ich mich gerne und, wenn’s ging, oft aufgehalten. Und warum soll ich davon hier nicht erzählen? Eben.

Ohne dieses Internet hätten wir Stavsnäs wahrscheinlich nie entdeckt. Zwar kommt der kleine Hafenort, ungefährt 40 km östlich von Stockholm, in der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson ein- oder zweimal vor, aber die kannte hier noch keiner, als ich 2006 die Idee durchsetzte, Urlaub mal nicht südlich, sondern erheblich nördlich des Wohnortes zu machen. Die Google-Suche „Ferienhaus UND Schären“ brachte uns schließlich nach Stavsnäs.

Die Ostsee. Doch, doch.

Die Schären vor Stockholm sind überwiegend kleine und kleinste Felseninseln, die von den Gletschern der letzten Eiszeit rundgeschliffen zurückgelassen wurden. Es gibt aber auch größere Schären; Stavsnäs liegt in der Gemeinde Värmdö, die aus mehreren dieser größeren und (lt. Wikipedia) aus 10.000 kleinen Inseln besteht. Das Ergebnis: Man kommt mit dem Auto von Stockholm aus über mehrere Brücken hierher, hat viel Wasser um sich herum und hat doch ein wenig Festlandfeeling. Der Blick auf dem Foto da oben geht auf die Ostsee, auch wenn es nicht so aussieht: Die Inseln bilden zum Teil enge Buchten, die Seen ähnlicher sehen als der See (den Nebensatz lese ich mir jetzt laut vor). Mit dem Boot ist der Mensch aber in wenigen Minuten auf dem offenen Wasser. Und fürchtet sich, weil das Boot vielleicht doch etwas klein ist.

Tja, Wasser. Es ist sauber, das ja. Wir haben uns oft Fische herausgeholt für den abendlichen Grill. Aber zum Baden ist es für empfindsame Stadtmenschen, nun ja, etwas frisch.

Vor dem Sprung

Aber darum geht es (inzwischen) nur noch in zweiter Linie, wenn wir darüber nachdenken, wieder hierher zu fahren. Das Leben auf der Insel ist vor allem friedvoll; die Nachbarn sind nie weit weg, aber man sieht und hört wenig von ihnen. Das Wasser und das mitgemietete Boot sind gerade mal fünfzig Meter entfernt. Die Luft ist glasklar, der Abend ist lang, der Himmel ist weit, und die Sache mit den Mücken war nie so schlimm, wie uns andere Schwedenreisende vorhergeunkt hatten.

Abends auf dem Felsen sitzen, der Wärme des Tages nachspüren, frischen gegrillten Fisch essen, und dann noch einen Schnaps. Leben.

Unsere freundlichen Vermieter und Gastgeber (hej, Kikki, hej, Christian!) konnten übrigens gar nicht verstehen, dass die Gäste aus dem Süden keine Trinklieder beherrschten. Nobody is perfect.

Klar. Schweden und seine Hauptstadt Stockholm bieten mehr. Ein komplettes Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert beispielsweise, das sich auf seiner Jungfernfahrt als ungefähr so schwimmfähig wie Knäckebrot erwies und nach weniger als einer Seemeile sank.

Vasa. Das Schiff.

Aber irgendwie – dreimal waren wir bisher in dieser Empfehlenswerten Gegend™ – schaffen wir es nie, mehr als einen Tagesausflug in diese sehr schöne Stadt zu machen und sie näher kennenzulernen. Irgendwie halten uns die Felsen, der Wald und das Wasser jedesmal fest auf der Insel.