Nochwas, wg. Tita & Tito

Nicht, dass mir mein Schweigen in der Sache Tito vs. Tita noch als schlechtes Gewissen des Journalisten oder gar heimliche Solidarisierung mit der einen oder anderen Seite ausgelegt wird…

Zunächst: Ich finde Sendungen wie Polylux reichlich überflüssig. Andererseits finde ich die Mehrheit der Sendungen im Fernsehen reichlich überflüssig; Polylux befindet sich da in guter Gesellschaft.

Dann, wie ein Journalistenkollege im oben verlinkten Beitrag so richtig schreibt:

Journalisten können veräppelt werden – was für eine Überraschung.

Es gehört zwar zum journalistischen Berufsbild, sich möglichst nicht veräppeln zu lassen, und die eine oder andere Technik, dieses Ziel zu erreichen, lernt man auch – im Volontariat oder eben später, durch Vorfälle wie diesen.

Journalisten sind aber nicht der Papst und können sich nicht auf ihre Unfehlbarkeit berufen – auch wenn es eine Reihe von Kollegen gibt, die da päpstlicher sind als der Papst. Und Journalisten sind – wie alle anderen Menschen – gelegentlich faul, nachlässig, überfordert. Dass es welche gibt, die aus Gebührengeldern bezahlt werden, macht aus ihnen noch keine oberste Instanz (auch so etwas, über das ich mich stundenlang auskotzen könnte: „Dafür zahle ich keine Gebühren!“ Geh mir doch weg.).

Anders ausgedrückt: Jedem Journalisten, wirklich jedem, ist schon mal eine Story untergejubelt worden, die er im Nachhinein anders und, wenn’s geht, besser gemacht hätte. Die meisten der Kollegen hatten nur das Glück, nicht an selbstgerechte Arschlöcher wie das Kommando TvH geraten zu sein, die den Fehltritt dann genüsslich ausbreiten.

Der Kern der Sache ist doch ein ganz anderer: Polylux ist nicht Panorama. Polylux ist eine Unterhaltungssendung. Kein Mensch käme auf die Idee, einem TV-Mutanten wie Florian Silbereisen mangelnde Recherche vorzuwerfen oder Gottschalks Saalwetten auf ihre gesellschaftliche Relevanz hin abzuklopfen. Eine Polylux-Story hat mit dem realen Leben des Zuschauers so viel zu tun wie die Modestrecken der Cosmopolitan.

Ein Freibrief für, sagen wir: kreativen Journalismus?

Nö. Aber wenn wir uns mit den zugegeben schwieriger werdenden Bedingungen für Journalisten unter starkem Spardruck beschäftigen wollen, sollten wir mit den relevanteren, den Leitmedien beginnen. Hat da jetzt wer „Süddeutsche“ gerufen?

Denn dort scheint es, der Berichterstattung im und über das Netz nach zu schließen, noch nicht einmal für einen DSL-Anschluss zu reichen.

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