No-Crypto

Lese zum wiederholten Mal „Crypto“ von Steven Levy, eine nicht mehr ganz taufrische Geschichte (erschienen 2001) der Kryptographie im digitalen Zeitalter, die Geschichte von Whitfield Diffie und Marty Hellman, denen die digitale Menschheit das Prinzip vom geteilten Schlüsselpaar verdankt, von den Widerständen, die vor allem die professionellen Codeknacker der NSA leisten, von…

OK, vielleicht ein weniger mehrheitenfähiges Thema, eher was für den Nerd in uns allen.

So sieht es zumindest im Jahr 2010 aus, in dem Jahr, in dem, vom gelegentlichen shitstorm abgesehen, Facebook mit privaten Daten seiner User macht, was es will, in dem Volksvertreter auf kommerzielle Datensammler einprügeln und selbst Daten sammeln wollen wie nichts gutes, in dem wir unsere Mail immer noch unverschlüsselt durch die Gegend jagen (bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage) – und damit den Sammelhunger der Sammelwilligen erst anheizen, in dem im Namen des Datenschutzes Schindluder getrieben wird und der Datenschutz als solcher mal eben lässig auf der Strecke bleibt.

Klein, du bist schlecht gelaunt, und wenn du schlecht gelaunt bist, wirst du ungerecht. Natürlich war die Arbeit von Hellman, Diffie & Co. nicht für den digitalen Eimer; ohne moderne Kryptographie wäre zumindest der kommerzielle Teil des Internets nicht möglich, und ein bißchen von der Arbeit der Krypto-Pioniere steckt sogar in jeder Passwort-Abfrage, die ihren Namen verdient.

Gleichzeitig aber legen wir unsere Daten in the cloud ab und vertrauen (mehr oder weniger, erstaunlicherweise aber meistens mehr) den Versicherungen der Betreiber, wonach sie (unsere Daten) dort (in the cloud) auch sicher seien – von als Mailanhang durch die Weltgeschichte gondelnden Dokumenten mal ganz zu schweigen.

Persönlicher Vorsatz, gefasst jetzt: Wieder verstärkt über den technischen Schutz meiner Daten nachdenken, die alten GnuPG-Kenntnisse herausholen, meinen PGP-Schlüssel entstauben, aber auch Alternativen wie TrueCrypt mal näher angucken, empfindliche Daten konsequent verschlüsseln und notfalls, z.B. beim Datenaustausch, auch anderen mit dem Thema ein wenig auf den Wecker gehen.

Was hiermit geschehen ist.