Nichts zu verbergen

Sieht so aus, als käme ich heute wieder zu spät in die Falle. Denn auf dem Weg dorthin musste ich ja unbedingt noch bei Slashdot vorbeigucken und den Hinweis auf einen Essay von Daniel L. Solove von der George Washington University Law School (in meiner alten Wahlheimatstadt) finden: „I’ve Got Nothing to Hide“ and Other Misunderstandings of Privacy (Das Papier liegt als PDF-Datei vor). Darin diskutiert Solove nicht nur eingehend seine Auffassung von privacy, ein Wort, das man in diesem Zusammenhang als „informationelle Selbstbestimmung“ nur umständlich übersetzen kann. Er beschäftigt sich auch und vor allem mit einem immer dann oft gehörten Argument, wenn es um weitere legale oder illegale Schnüffelaktionen staatlicher Einrichtungen geht: „Ich habe doch nichts zu verbergen“.

Professor Solove nimmt sich 25 Seiten Zeit, all dies zu diskutieren, weshalb ich die eingehende Lektüre seines Papiers vielleicht doch auf das Wochenende verschiebe. Kurz gefasst, lautet seine Argumentation aber: Es mag ja sein, dass jemand tatsächlich nichts zu verbergen hat (auch wenn das reichlich unwahrscheinlich ist – irgendwelche Leichen im Keller hat jeder, außer Mutter Teresa vielleicht). Aber bei privacy geht es nicht darum, etwas Unrechtes verbergen zu wollen; es geht darum, dass es immer noch im Ermessen jedes Einzelnen stehen sollte, welche Informationen anderen zugänglich sein sollen. Problematisch ist nach Solove nicht nur der unautorisierte und/oder geheime Versuch, pauschal Daten zu sammeln und zu speichern, problematisch ist, was er secondary use nennt, also die Verwertung von Daten zu anderen Zwecken als jenen, zu denen sie erhoben wurden.

Anders ausgedrückt (und das ist jetzt ein hoffentlich wenig realistisches Beispiel von mir): Es mag ja sein, dass ein Staat es für unumgänglich hält, die Daten von Flugpassagieren zu sammeln, um festzustellen, ob Terrorverdächtige unter ihnen sind. Sie aufzubewahren und daraus möglicherweise Bewegungsprofile der Passagiere zu erstellen, ist schon eine ganz andere Sache. Und wenn aus den Daten ersichtlich ist, dass ein Passagier kostspielige Flüge aus eigener Tasche bezahlt, könnte es auch für das heimische Finanzamt interessant werden – wenn nämlich besagter Passagier behauptet, steuerlich eine arme Kirchenmaus zu sein.

Doch, wir alle haben was zu verbergen. Und wir haben ein Recht dazu.

Update, zwei Tage später: Ich hab’s doch gewusst…