New Wave

Google Wave
Google Wave

Surfen kann jeder mit Netzzugang; Wellenreiten (wie in: Google Wave benutzen) können bis jetzt nur 100.000 Auserwählte und ihre Freunde, Bekannten und Mitarbeiter. Ich gehöre zu der zweiten Gruppe; heute morgen kam, courtesy of ultrafredde, mein Wave-Zugang. (Vielen Dank nochmal!)

Leider hat mich das, was man day time job nennt, an der erforderlichen eingehenden Inspektion von Google Wave gehindert. Aber mit ersten Eindrücken kann man denen, die weniger glücklich waren und noch auf ihre Einladung warten, immer noch den Abend versauen Mund wässrig machen. Here we go:

Zum Glück habe ich eine vergleichsweise umfangreiche GMail-Kontaktliste, so dass meine Wave-Kontaktliste nicht mehr ganz leer war, als ich in die Welle eintauchte. Nichts ist frustrierender als ein neues Spielzeug, das man alleine ausprobieren muss. So aber konnte ich nicht nur die vorgegebenen Waves durchlesen und -gucken, die Google mir zum Lernen geschickt hatte, sondern gleich selbst welche starten.

Wave ist Email plus Kollaboration, kurz gefasst. Und so kann der Waver live zugucken, wie ein Wavepartner seine Nachricht tippt, kann an jeder Stelle der Diskussion einhaken, kann – besonders schickes Spielzeug – sich die Historie des entstandenen Dokumentes vorspielen lassen, von Änderung zu Änderung. Kann Dateien anhängen und einbetten – habe ich bisher noch nicht getan, weil das eher was für die ernsthafte Zusammenarbeit ist) und sich immer wieder über neue, kleine Feinheiten (und Bugs – so war es mir unter Windows/Firefox nicht möglich, ein „@“ in eine Wave einzutragen; mit  OSX/Safari gehts) freuen.

Eine Diskussion
Eine Diskussion

Diskussionen werden threaded dargestellt – was im nebenan abgebildeten Beispiel schon ein wenig ans Unübersichtliche grenzt, kann bei einer Diskussion von mehr als drei, vier Teilnehmern schon zur grafischen Darstellung des ARD („Alle reden durcheinander“) werden. Lange kann es nicht mehr dauern, bis ich auch das zu Gesicht bekomme – wenn jemand wie vowe eine Welle startet, der noch ein paar tausend Leute mehr kennt als ich, dann steht über einer Welle eine ganze Bildergalerie von Leuten, die man auch schon mal getroffen und ratzfatz der eigenen Wave-Kontaktliste hinzufügt.

Sieht so aus, als sei das Spielen bald vorbei; bei so vielen wichtigen Menschen in der Kontaktliste wird es Zeit, an der Weltrevolution oder wenigstens etwas Ernsthaftem zu arbeiten.

Wird Google Wave die Welt verändern? Nö. Wird es die Art verändern, wie wir offline zusammenarbeiten? Nö. Wird es die Art verändern, wie wir online zusammenarbeiten? Aber ganz sicher.

Zu meinem Job gehört, dass ich – mangels Sekretariat – Workshops meist selbst organisieren muss. Dazu jongliere ich mit mehreren Online-Kalendern, dem Telefon, der Sitzungsraumverwaltung, die auf vier oder fünf Abteilungen verteilt sind, und immer wieder dem Mail-Client, der vor und nach den meetings die einzige Möglichkeit darstellt, mit Kolleginnen und Kollegen von zwei Standorten und/oder mehreren ARD-Sendern inhaltlich weiterzuarbeiten. Wenn statt Flugbuchungen und Raumreservierungen nur noch Zeiten zu vereinbaren wären (und auch das ist ja eigentlich nicht nötig, da Wave durchaus nicht auf der gleichzeitigen Anwesenheit aller Beteiligten besteht), ließe sich die eine oder andere Arbeit mit weniger Aufwand organisieren. Jeder schreibt, was ihm einfällt, jeder sieht, was andere schreiben und/oder geschrieben haben, die Playback-Funktion bringt möglicherweise fehlende Klarheit in die Angelegenheit… Ich bin gespannt.

Umso mehr, als dass Wave – anders als andere Google-Produkte – früher oder später auf jedem ans Netz angeschlossenen Server lauffähig sein soll. Und damit wäre kein Unternehmen mehr verpflichtet, kritische Informationen nach außen zu geben, sondern könnte die Wave im Intranet schwappen lassen. Womit sogar mein Arbeitgeber sich anfreunden können müsste.

Wave ist alpha – es hoppelt, hinkt, und manchmal bleibt es einfach stehen. Aber spannend ist es doch. Sehr spannend.

Ach ja: Eingeladene können nicht sofort selbst mit Einladungen um sich schmeißen. Diese Ehre haben nur die ersten 100.000.