Nee-we, oder: Der leere Kühlschrank und ich

Nicht mein Kühlschrank

Nicht mein Kühlschrank

Aus der Abt. “First World Problems”: Das da oben ist nicht mein Kühlschrank. Mein Kühlschrank íst nämlich leer. Und daran schuld sind zu gleichen Teilen ich und meine blinde Fortschrittsgläubigkeit. Aber der Reihe nach…

Ich habe diese Woche Spätdienst. Das bedeutet, dass ich erst am frühen Nachmittag zur Arbeit muss (Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn ich nämlich schon um 11 zu irgendwelchen Meetings muss), aber dafür auch erst um 22 Uhr aus dem Laden komme. Das ist eine Zeit, in der auch in der Weltstadt Bonn die Bürgersteige hochgeklappt Läden zu sind.

So, wo ist das Problem? Der Vormittag ist lang genug zum Einkaufen.

Präsenile Schlafmütze

Das Problem liegt darin, dass ich nach der Arbeit noch etwas aufgedreht bin und erst zwischen ein und zwei Uhr mit Aussicht auf Schlaf in die Falle komme. Weil ich aber als älterer Herr alter Zausel™ eben nicht an prä- oder sonstiger seniler Bettflucht (doch, dazu gibt es einen Wikipedia-Eintrag, aber erwarten Sie sich nicht zuviel davon!) leide, komme ich morgens vormittags bis Mittag derzeit etwas schwer in die Gänge.

Prima Gelegenheit, dachte ich, diesen neuen Heissen Scheiss™ auszuprobieren und Lebensmittel online zu bestellen.

Amazon testet Lebensmittellieferungen ja schon in einzelnen Testmärkten. Und bevor sich die Buchhändler aus Seattle den ganzen Markt krallen, dachte man sich bei einem deutschen Supermarktbetreiber, dessen Name sich auf das erste Wort in der Überschrift dieses Textes reimt, machen wir das lieber selber. Und ich würde dabei sein!

…dachte ich mir am Dienstagabend. Wer abends bestellt – das bekam ich sofort heraus – kann frühestens am nächsten Nachmittag mit seinem Geraffel rechnen – oder, wenn Spätdienste im Weg sind, eben am übernächsten Vormittag. Kein Problem, dachte ich mir – was im Kühlschrank ist, reicht für Kater und mich noch genau bis Donnerstag. (OK, der Senf reicht vielleicht noch etwas länger.)

Um es kurz zu machen: Die Bestellung ist nicht einfach. Online scheint es so ziemlich all das zu geben, was es auch im Laden weiter gibt, aber leider nicht in hell ausgeleuchteten Regalen, sondern nach Stichworten geordnet, mit den beliebtesten Artikeln vorne (nehme ich an) und dem, was ich will, auf Seite fünf.

Rumgeklickes ist der Genitiv von Rumgeklicke

Nach einer halben Stunde mühsamen Rumgeklickes hatte ich also meine Bestellung beisammen, meine Daten eingegeben und die Bestätigung, dass die Lieferung am Donnerstag zwischen 9:00 und 11:00 Uhr kommen würde.

Oder auch nicht. Was stattdessen kam, war zuerst eine SMS, dass es vielleicht zehn vor zwölf werden würde. Dann kam eine SMS, dass es auch kurz vor eins werden könne. Um 12:15 musste ich aber los… Ach ja, um die Sache kompliziert zu machen: Die Boten dürfen die Bestellung nicht beim Nachbarn abgeben, sondern nur an den Besteller.

Um 13:40 kam der muffige Anruf eines muffigen Fahrers, ob ich denn zuhause sei. Nein, antwortete ich frohgemut muffig stinksauer, worauf auch dieses Gespräch beendet war.

Zwei Stunden später bekam ich die Mail, dass meine Lieferung ausgeliefert sei, und dass jetzt irgendwas um die 60 Euro von meiner Kreditkarte abgebucht würde.

Argh!

Ein lustiges angespanntes Telefongespräch und zwei Mails später war zumindest die Abbuchung rückgängig gemacht. Ich müsse aber die Bestellung neu eingeben, hieß es, und man würde mir auch einen 10-Euro-Gutschein zuschicken, hieß es.

Zurück zum leeren Kühlschrank: Er wird heute Abend immer noch leer sein – habe aber unterwegs Stulle gekauft, und der Kater wird dann eben heute nicht sein Lieblingsfutter bekommen. Der Kühlschrank wird aber auch morgen Abend leer sein (und der Kater…), denn – s.o. – bei Bestellung am Nachmittag gibt es keine Lieferung am nächsten Morgen. Und morgen ist nicht nur ein weiterer Tag, an dem ich schwer aus der Falle komme, sondern ich muss auch trotz allem schon um elf im Laden sein.

HUNGER! (+ “Miao!”)

Auflösung:  Meckern kann ich eigentlich nicht, weil ich als Erstbesteller keinen müden Euro für den Komfort der Lieferung nach Hause bezahlt hätte. Aber keinen müden Euro für keine müde Lieferung – das ist mir zu, äh… dings. Ich kaufe dann mal bis auf weiteres wieder im Laden ein. Bis Amazon sich auch dieses Geschäftsfeld gekrallt hat.

Update, fürs Protokoll: Eine Woche später, beim zweiten Versuch, hat dann alles geklappt.

4 Kommentare

  1. Rewe macht das übrigens schon lange – Ende der nuller Jahre (2008 oder -09) hatte ich als Erwachsener die Windpocken. Da extrem ansteckend, sollte ich für ein paar Tage nicht unter Leute gehen und habe damals schon bei denen online bestellt. Die Auslieferung lief auch problemlos – allerdings war ich ja auch zwangsweise zu Hause. Ob die sich damals an die Zeiten hielten – keine Ahnung mehr. Aber der Bote ließ sich auch von der durch die Tür zugerufene Warnung vor den Windpocken nicht abschrecken, er hätte die schon als Kind gehabt, kein Problem – als er mich dann als verquollenen Pockenzombie mit einer Unmenge weißer Cremetupfen im Gesicht vor sich sah, hat er auch keine Miene verzogen, ich habe da sehr genau hingeschaut. Sehr professionell.

    • Das wusste ich nicht, dass Rewe das schon lange macht. Hat vielleicht was mit der Geografie zu tun – im Westen der Republik ist Rewe schließlich zu Hause. Im Osten, da, woher ich erst kürzlich in den Westen gekommen bin, bietet Rewe das meiner Erinnerung nach erst seit zwei Jahren oder so an, dafür umso lauter.