MyTech – The Year in Review

(Hätte ja auch „Jahresrückblick“ schreiben können. Aber bin ich Jauch? Nein.)

Weil es jeder macht, und weil mir tatsächlich was zu dem Thema einfällt, hier meine persönlichen informationstechnischen Highlights des Jahres 2008:

In der Abt. Telekommunikation ist, wahrscheinlich wenig überraschend, das iPhone, seit Spätsommer in meinem Besitz, mein Jahreshighlight 2008. Warum? Es kann die meisten Dinge genauso gut wie jedes andere Smartphone, einige Dinge deutlich schlechter (Video, Photo…), und ist in einer Hinsicht ungeschlagen und bis auf weiteres nur schwer schlagbar: Das Konzept und die Umsetzung des Benutzer-Interface (vulgo: der wenigen Tasten und des Touchscreens) haben mich nach langen Zweifeln zum iPhone-Fan gemacht. Case closed.

Gesundheitliche Achterbahnfahrt im Januar und Kuraufenthalt im Spätsommer haben mich davon überzeugt, meinen biologischen Arbeitsspeicher ein wenig zu entlasten. Ohne das Buch Getting Things Done gelesen zu haben, habe ich mich mit der technischen Unterstützung von GTD beschäftigt (hier, hier, hier und hier). Das Ergebnis meiner Suche zur Verbesserung meiner Produktivität: Evernote speichert meine Notizen, Dokumente, Screenshots etc., so dass ich sie vom heimischen Mac, von der dienstlichen DOSe und vom beweglichen iPhone gleichermaßen erreichen kann, und die Erinnerungsarbeit für Tasks und andere schwer merkbare Dinge übernimmt Remember the Milk via Web, iPhone, Mail und Twitter. Evernote schaffte es auf meine Best-of-2008-Liste, weil ich meinen Kram überall erreichbar haben möchte, aber ungern USB-Sticks mit mir rumschleppe (verliere ich dauernd, und im Laden sind die USB-Ports standardmäßig geblockt), und RTM schaffte es, weil ich auf diese Art keine Chance mehr habe, meinen eigenen Erinnerungsaufträgen zu entgehen. Knapper Zweiter in Sachen GTD wurde übrigens Things – wenn im Januar der Mac-Client endlich fertig ist, werde ich möglicherweise RTM gegen Things antreten lassen.

In Sachen Web Services gibt es bei mir keinen eindeutigen Gewinner 2008, wohl aber einen Verlierer: Ins Jahr hinein ging ich als großer Google-Nutzer (Mail, Reader, Apps etc.); am Jahresende ist davon nur der Guglrieder übriggeblieben. Der Reader ist – wie Evernote und RTM – für mich wichtig, weil ich ohne langes Synchronisieren von allen Ecken dieser Welt auf die gleiche Leseliste zugreifen und diese immer aktuell halten kann. Was GMail, Google-Kalender, Google Apps etc. angeht: Die Technik dahinter ist vielleicht rattenscharf, aber so ganz wohl ist mir nicht dabei, z.T. sensible Daten bei einem Gratisanbieter anzulegen; weshalb ich – nicht lachen! – meine Mail und meinen Kalender jetzt bei MobileMe führe. Die Kinderkrankheiten sind weitgehend kuriert, und die Integration und Synchronisation über meine Gerätelandschaft hinweg tun (inzwischen…) das, was sie sollen: sie funktionieren einfach. Und irgendwie fühle ich mich (ganz Web 0.5, wie ich nun mal bin) bei einem Bezahldienst wohler – vielleicht, weil ich nicht automatisch davon ausgehen muss, dass der Dienst mit meinen Daten entlohnt wird.

Social Web/Social Graph oder was auch immer? Schwieriger Fall. Das ist inzwischen unstrittig the Next Big Scheiß™, und mit ein bißchen Glück oder einer guten Dokumentation behält man sogar den Überblick darüber, bei welchen Diensten man sich mit welchem Usernamen und welchem Passwort angemeldet hat. Bloß gut, dass viel unnötiger Müll dabei ist, der einem den Abschied schnell wieder leicht macht. Finalist 2008 ist für mich Friendfeed, unter anderem, weil kein anderer Aggregator so flexibel so viele Optionen anbietet; Gewinner 2008 ist aber in meinen Augen Twitter. Ja, genau der Dienst, bei dem ich schon 2007 einen nicht sonderlich intensiv genutzten Account hatte, und vor allem der Dienst, mit dem vom sinnfreien, aber unterhaltenden Gelaber über die schnelle Zweck-Kommunikation bis zur Steuerung anderer Dienste alles möglich ist. Das Potential von Twitter (und, ja doch, auch anderen derartigen Angeboten – warum nur kommt Identi.ca nicht aus’m Knick?) ist noch längst nicht ausgelotet.

Abt. Social Web II: Mit einer gewissen Unruhe beobachte ich das Plattformunwesen, das sich gerade in Weblogs und anderen heimseitigen Erscheinungen immer breiter macht: Ob Google oder Facebook das Rennen um die Community-Plattform des Jahres 2009 machen, oder ob doch eine Lösung wie sixgroups.com weiterführt – ich sähe lieber OpenID oder eine andere wirklich offene Plattform als Grundlage für einheitliche Logins, aber auch Community-Funktionen im Netz (und biete deshalb auch an, sich beim Kommentieren mit OpenID vorzustellen – manchmal sogar mit Erfolg!). Was die Großen angeht: ich werde doch nicht Google-Funktionen einführen, während ich auf der anderen Seite Google zunehmende aus meinem Leben verdränge, und ein Facebook-Logo auf meiner reinen Seite fände ich einfach eklig.

Ehrenvolle Erwähnung 2008: Die Netbooks. Mein Asus 900 zieht mir auf Reisen den linken Arm längst nicht so lang wie mein MacBook, und mit Ubuntu drauf habe ich auch ein politisch korrektes Gewissen.

Ende des Blicks in den Rückspiegel. Bin gespannt, was 2009 bringt.