Mirinda, Miranda

Die sogenannten Miranda Rights kennt jeder, der schon einmal eine amerikanische Verhaftung im Kino oder Fernsehen gesehen hat. Benannt nach dem Urteil des U.S. Supreme Court im Prozess Miranda gegen den Staat von Arizona, hat jeder in den USA Festgenommene über sein Recht zu schweigen informiert zu werden sowie darüber, dass alles, was er oder sie sagt, vor Gericht gegen…. und so weiter. Gehört haben wir diese Formel in jedem Fall schon mehrfach, im Kino oder Fernsehen. Und verbrieft sind diese Rechte im 5. und 6. Amendment zur USA-Verfassung, haben also durchaus einen hohen rechtlichen Rang.

Umso mehr irritiert mich, was ich da aus Washington, DC, höre:

It would have been a serious mistake to have read the suspect in the attempted Times Square car bombing his Miranda rights, Sen. John McCain (R-Ariz.) said Tuesday.

berichtet The Hill über einen Auftritt McCains in der Sendung „Imus in the Morning“.

Aha. Mal ganz abgesehen davon, dass nach allen Berichten Faisal Shahzad, der Hauptverdächtige für den Attentatsversuch auf dem New Yorker Times Square, sehr wohl, (Update:) wenn auch nicht unmittelbar bei der Festnahme, über seine Rechte belehrt wurde: hier geht ein US-Senator, einer von der konservativen Seite, her und findet es gut, wenn – natürlich nur im Sinne des Kriegs gegen den internationalen Terrorismus – einem US-Staatsbürger (Shahzad wurde vor etwa einem Jahr eingebürgert) seine verfassungsmäßig garantierten Rechte vorenthalten werden.

Nun ist Senator McCain nicht mehr der Jüngste. Aber gerade er sollte wissen, dass die Zeit der Regierung Bush jr./Cheney abgelaufen ist – schließlich wollte er in den Wahlen im Jahr 2008 Bushs Nachfolger werden.

Was mich so ein wenig fertig macht, ist, dass es auch im Jahr 2010 amerikanischen Konservativen möglich oder sogar nötig erscheint, gegen die US-Verfassung Wahlkampf zu machen. But hey, that’s just me!